Brinkmann & Partner: Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen will finanzielle Struktur neu ordnen

Kahla, 4. März 2026. Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH hat einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Dieser Schritt schafft den rechtlichen Rahmen, um die finanzielle Struktur des Unternehmens neu zu ordnen und die langfristige Zukunft des Produktionsstandorts zu sichern. Das Amtsgericht Gera hat Rechtsanwalt Thomas Jacobs, Partner in der bundesweit tätigen Kanzlei Brinkmann & Partner, zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Thomas Jacobs und sein Team sind bereits vor Ort. Erste Gespräche mit Geschäftsführer Daniel Jeschonowski und dem Betriebsratsvorsitzenden Stefan Schau haben bereits stattgefunden, die Mitarbeitenden wurden in einer Betriebsversammlung persönlich über das Insolvenzantragsverfahren informiert. „Mein erster Eindruck ist, dass Geschäftsführung und Belegschaft fest hinter der Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen stehen. Das ist wichtig, um die Produktion und Auslieferung im Antragsverfahren wie geplant fortzuführen und einen Plan für die Zukunft zu entwickeln.“

Operativer Geschäftsbetrieb wird in vollem Umfang fortgeführt

Die 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert, eine entsprechende Vorfinanzierung ist bereits eingeleitet. Für Kunden und Geschäftspartner bedeutet dies: Die Zusammenarbeit wird in vollem Umfang fortgesetzt. Produktion, Auftragsbearbeitung und Auslieferung erfolgen regulär. Neue Aufträge werden angenommen, bestätigt und ausgeführt.

Der Insolvenzantrag erfolgte vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Verunsicherung in Deutschland: Die Messe- und Ordersaison ist bislang deutlich schwächer verlaufen als erwartet. Gleichzeitig ist insbesondere im Gastronomiebereich eine spürbare Kaufzurückhaltung zu beobachten. Hinzu kommen die Auswirkungen der Schwächephase der deutschen Wirtschaft sowie die erneut stark gestiegenen Energiepreise, die für energieintensive Produktionsunternehmen wie eine Porzellanmanufaktur eine erhebliche Belastung darstellen. Die ohnehin sehr hohen Energiekosten werden wegen des Iran-Krieges weiter ansteigen.

Geschäftsführer Daniel Jeschonowski sagt: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir als Kahla-Team viel geleistet und ein hervorragendes Markenerlebnis geschaffen. Wir sind unternehmerisch auf dem richtigen Weg, werden aber in Zukunft mehr Wachstum erreichen müssen.“ Vor diesem Hintergrund war der Insolvenzantrag der notwendige Schritt, um das Unternehmen strukturell neu aufzustellen.

Der Betriebsratsvorsitzende Stefan Schau erklärt: „Für uns ist klar: Wir wollen, dass Kahla weiter produziert. Die Mannschaft steht zusammen und arbeitet jeden Tag dafür, dass Aufträge rausgehen und Kunden zufrieden sind. Die Insolvenz ist eine schwierige Situation, aber sie gibt auch die Chance, das Unternehmen neu aufzustellen. Wir ziehen als Belegschaft mit und wollen zeigen, dass dieser Standort eine Zukunft hat.“

Seit 2020 wurde das Unternehmen umfassend restrukturiert. Prozesse wurden vereinfacht, neue Produkte entwickelt und neue Kunden gewonnen. Die Marke Kahla verfügt über eine gute Position im Markt. Auch der Ausbau des Onlinegeschäfts hat in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Stärkung der Vertriebsbasis beigetragen.

Porzellanmarkt in Kahla vom 7. bis 12. April: „Made in Germany“ erleben

Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen arbeitet aktiv an der Fortführung und Weiterentwicklung des Geschäfts. Ein sichtbares Zeichen dafür ist der geplante Porzellanmarkt am Standort Kahla vom 7. bis 12. April, zu dem Besucher, Kunden und Partner herzlich eingeladen sind. Hier können die Gäste erleben und anfassen, was Kahla als industriellen Produktionsstandort für hochwertiges Porzellan „Made in Germany“ ausmacht.