Titel | INDat Report 10_2022 | Dezember 2022

Titel | INDat Report 01_2023 | Januar 2023

Fachkräftemangel auch in der Restrukturierungs- und Insolvenzbranche erfordert kreative Ansprache und allseits attraktive Angebote

Gewinnen und halten im War for Talents

Der vielzitierte »War for Talents« tobt längst auch in der Insolvenz-, Restrukturierungs- und Sanierungsbranche. Durch die Bank alle Kanzleien, kleine, mittlere und große, müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um bewährte Mitarbeiter in allen Tätigkeitsbereichen zu halten und  – eine noch weit schwierigere Aufgabe – Nachwuchskräfte für die Arbeit in einer Insolvenz- oder Restrukturierungskanzlei zu gewinnen. Mit welchen Strategien behaupten sich die Personalmanager der Kanzleien bzw. die externen Dienstleister am Markt? Wie wird der Kampf um die rar gewordene Ressource Jurist und spezialisierte Fachkraft geführt? Wie die Onlineplattform Legalhead mitteilt, ist die Anzahl der Jobangebote im RSI-Bereich, einem an sich eher kleinen Teil des Juristenmarkts, stark gestiegen: innerhalb eines Jahres von 3 % auf 8 %. Das entspricht fast einer Verdreifachung. Angesichts solcher Zahlen scheinen gute Strategien wichtiger zu sein als je zuvor. Der Nachwuchs ist entsprechend selbstbewusst, was sich u. a. in steil ansteigenden Einstiegsgehältern widerspiegelt. Große Kanzleien bieten inzwischen bis zu 155.000 Euro für den Anfang als Junganwalt, erwarten jedoch auch einen hohen persönlichen Einsatz. Kleinere Kanzleien dagegen locken eher mit nicht monetären Leistungen, die weit über den in Stellenanzeigen zum Running Gag gewordenen »stets gut gefüllten Obstkorb« hinausgehen. Es geht um »Benefits«, die bei der sog. Generation Z wirklich ankommen: eine austarierte Work-Life-Balance und eine mitarbeiterfreundliche Unternehmenskultur, die auf Transparenz, Offenheit und einem zunehmend lockeren Umgang basiert.
Da ist der Dresscode leger und das »Du« gängiger als das »Sie«.

 Text: Sascha Woltersdorf und Peter Reuter

Der Personalmarkt für Rechtsanwälte, aber auch für andere qualifizierte Spezialisten wird enger, denn auch im Bereich Restrukturierung, Sanierung, Insolvenz (RSI) herrscht Fachkräftemangel  – schließlich sind der Insolvenzverwalter und der (anwaltliche) Restrukturierungsberater nichts anderes als hoch spezialisierte »Fachkräfte«. Einerseits herrscht Juristenmangel. Immer weniger Absolventen stoßen auf den Arbeitsmarkt. Andererseits sinkt die Zahl der Erfahrenen: Aufgrund des demografischen Wandels stehen ab 2025 vermehrt die sog. Babyboomer am Ende ihres Arbeitslebens. Das bedeutet umgekehrt natürlich gute Zeiten für Talente und Leistungsträger, denen von ihrem (potenziellen) Arbeitgeber sehr viel geboten werden muss und auch wird: Stichwort War for Talents.

Der vielleicht wichtigste Indikator für diese Entwicklung ist die Anzahl an Jobangeboten im Bereich RSI. Legalhead beispielsweise, eine spezielle Job-Matching-Plattform für Juristen, misst »ein deutliches Wachstum an Stellenausschreibungen im Bereich Restrukturierung, Sanierung und Insolvenz«. Während im Vorjahr noch 3 % aller Ausschreibungen auf Legalhead in diesem Schwerpunktgebiet angesiedelt gewesen seien, betrage 2022 der Anteil der Vakanzen in diesem Fachbereich bereits 8 %, sagt Katrin Franke, Head of Talent Marketing & Recruiting. »Bei den Suchbegriffen Transformation, Insolvenzverwaltung und Restrukturierungsberatung ist ein deutlicher Aufwärtstrend, einhergehend mit einem bis zu 50 % gesteigerten Suchvolumen im Jahresvergleich von 2020 bis 2022, zu verzeichnen.«

Andere Jobplattformen sehen ebenfalls »grundsätzlich steigende Zahlen«, z. B. TalentRocket, wo man davon ausgeht, dass mit zunehmenden Insolvenzen auch die Jobausschreibungen noch weiter steigen werden. »Wer Zuwachs in den nächsten Monaten plant, sollte sich jedoch schon frühzeitig am Arbeitsmarkt platzieren«, rät TalentRocket-Geschäftsführer Sebastian von Glahn. Als weiterer Indikator können die durchschnittlich »grob etwa 2,5 Monate« dienen, die eine Stellenanzeige bei dem Stellenportal online bleibt. Bei dieser Angabe müsse man jedoch beachten, dass hinter den oft genutzten »Jahresstellenanzeigen« nicht selten mehrere Vakanzen verborgen seien. Ebenfalls eine Rolle spiele, ob ein Arbeitgeber außerdem ein »Employer Branding« bei TalentRocket betreibt und dadurch suggerieren möchte, dass die Kanzlei wächst und deshalb stetig auf der Suche nach mehr Personal ist.

In der Realität ist die sinkende Anzahl von verfügbaren Fachkräften bei vielen Kanzleien bereits zu spüren. Eine Stichprobe in der ersten Novemberhälfte dieses Jahres ergab 35 Stellenangebote für alle fünf Gesellschaften von Schneider Geiwitz, 29 Suchen standen im »Karriere«-Bereich der Homepage von Brinkmann  & Partner, die Insolvenzsparte von White & Case verzeichnete 18 Vakanzen, BBL mit 200 Mitarbeitern an mehr als 30 Standorten brauchte 15 frische Kräfte für das Team, eine mittlere Kanzlei wie Pohlmann Hofmann suchte drei neue Mitarbeiter und Münzel & Böhm mit etwa 20 Berufsträgern will mit der eigenen Karriereseite sechs Lücken füllen. »Die Nachfrage auf von uns ausgeschriebene Stellen war in der Vergangenheit wesentlich höher als derzeit«, räumt der Gründungspartner RA Dr. Gideon Böhm von Münzel & Böhm ein. »Dies kommt wohl daher, dass insbesondere die Großkanzleien im Zuge der Bearbeitung von Masseverfahren unglaublich viele Juristen zu sehr hohen Gehältern eingestellt haben bei gleichzeitiger Senkung der Einstellungsvoraussetzungen. Des Weiteren zieht es wohl immer mehr junge Juristen in Unternehmen und nicht in Kanzleien. Daher gibt es wesentlich weniger Hochschulabsolventen, die sich auf offene Stellen einer mittelständischen Kanzlei bewerben«, so seine Analyse. »Einen Fachkräftemangel haben wir nicht«, bestätigt passenderweise eine der größten Kanzleien am Markt, was »vermutlich der Strahlkraft der Marke White  & Case« geschuldet sei, wie Partner RA Dr. Biner Bähr sagt. »Wir erhalten auch heute viele Bewerbungen und zwar sowohl auf Anwalts- als auch auf nichtanwaltlicher Ebene. Hinzu kommt, dass es infolge der rückläufigen Insolvenzzahlen in den letzten Jahren gewisse Verschiebungen zwischen den Kanzleien gegeben hat. Davon haben wir profitiert. Wir wachsen auch nach 40 Jahren Insolvenz- und Restrukturierungstätigkeit unserer Truppe stetig weiter.« (…)

Inhalt

Die kommende Ausgabe INDat Report 01_2023 erscheint am 01.02.2023.

Am 11.01.2023 ist Anzeigenschluss, alle weiteren Termine finden Sie auf www.der-indat.de.

Die kommende Ausgabe INDat Report 02_2023 erscheint am 23.03.2023.

Am 01.03.2023 ist Anzeigenschluss, alle weiteren Termine finden Sie auf www.der-indat.de.

Aktuelle Ausgabe: 14. Dezember 2022
Umfang: 80 Seiten

Aktuelle Ausgabe: 1. Februar 2023
Umfang: 112 Seiten

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