Insolvenzverwalter verkauft WKW an strategischen Investor

Wuppertal/Velbert. Die Zukunft des insolventen Automobilzulieferers WKW ist gesichert: Insolvenzverwalter Joachim Exner hat die deutschen Geschäftsbetriebe der WKW.group sowie drei Auslandstöchter an einen strategischen Investor veräußert. Neuer Eigentümer ist die WKW Automotive Deutschland GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Rea Automotive GmbH.

Die WKW Automotive Deutschland GmbH hat die Produktionsstandorte der deutschen WKW.group in Wuppertal (Korzert), Velbert und Sprockhövel mit 1.050 Arbeitsplätzen übernommen und will diese langfristig fortführen und entwickeln. Hinzu kommen die WKW- Produktionsstandorte in den USA, Frankreich und Tunesien. Der Investor hat angekündigt, die erforderlichen Investitionen zu tätigen, um die deutschen Standorte der WKW.group wieder langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Gläubigerausschuss hat dem Verkauf zugestimmt. Der Betriebsübergang hat bereits stattgefunden.

„Diese Investorenlösung ist ein Glücksfall für WKW und die deutschen WKW-Standorte“, betonte Insolvenzverwalter Joachim Exner nach dem heutigen Abschluss des Verkaufsprozesses. „Die WKW gehört nun zu einem wirtschaftlich starken und international tätigen Unternehmensverbund, der von der Zukunft des Automobil- und Produktionsstandorts Deutschland überzeugt ist.“ Exner ist geschäftsführender Gesellschafter der Kanzlei Dr. Beck & Partner und hat bereits zahlreiche deutsche Automobilzulieferer erfolgreich saniert.

Die deutschen Unternehmen der WKW.group hatten vor rund zwei Jahren Insolvenzantrag gestellt. Joachim Exner hatte umgehend einen sogenannten „strukturierten Investorenprozess“ eingeleitet, bei dem potenzielle Investoren weltweit gezielt angesprochen werden. Insolvenzverwalter Exner war es zudem gelungen, die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten längerfristig zu sichern und gemeinsam mit der Geschäftsführung erste wirksame Restrukturierungsschritte umzusetzen. Trotzdem war es angesichts der tiefgreifenden Krise der Automobilindustrie keineswegs sicher, dass es gelingen würde, bis zu einer Investorenlösung die deutschen WKW-Geschäftsbetriebe fortzuführen und zugleich rund zwei Drittel der deutschen Arbeitsplätze zu erhalten.

„Die deutschen und internationalen Standorte der WKW.group sind eine ideale Ergänzung für unser Automotive-Portfolio“, betont Nat Rea, Chairman der Rea Automotive GmbH. „Das
gesamte Team hat mit großem Einsatz daran gearbeitet, diese Übernahme möglich zu machen. Besonders hervorheben möchte ich Marcus Nyman und meinen Sohn Sean Rea, die mit großer Beharrlichkeit sämtliche Herausforderungen auf dem Weg zum erfolgreichen Abschluss gemeistert haben.“

„Mit der Übernahme von WKW legen wir den Grundstein für die Zukunft von Rea Automotive. WKW verfügt über ein etabliertes internationales Produktionsnetzwerk, eine weltweite Vertriebsstruktur, langjährige Kundenbeziehungen und vor allem über erfahrene und hoch motivierte Mitarbeitende. Wir werden gezielt in Technologien, Produktionsstrukturen und Prozesse investieren, um WKW wieder zu einem international führenden Tier-1-Zulieferer zu entwickeln und das Unternehmen mit Lösungen auf Basis deutscher Ingenieurskunst auf die nächste Stufe zu heben.“

Hakan Civelek, Geschäftsführer der IG Metall Velbert, sagte: „Es ist uns zwar am Ende gelungen, über 1.050 Arbeitsplätze zu retten, dennoch müssen die verbliebenen Beschäftigten Zugeständnisse und Einkommensverluste hinnehmen. Die IG-Metall-Mitglieder haben mit einer breiten Mehrheit einem abweichenden Tarifvertrag zugestimmt und werden für einen befristeten zeitlichen Rahmen auf wichtige Entgeltbestandteile wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld verzichten sowie unentgeltliche Mehrarbeit leisten. Das sind schmerzhafte Einschnitte, es gab jedoch keine Alternative! Im Gegenzug für diesen harten Beitrag der Arbeitnehmer konnten wir jedoch substanzielle Gegenleistungen durchsetzen, die unter anderem – aber nicht abschließend – eine vierjährige Standort- und Beschäftigungsgarantie beinhalten, sodass betriebsbedingte Kündigungen für knapp 1.000 Beschäftigten ausgeschlossen sind. Zudem wurden Investitionszusagen vereinbart und die Verpflichtung festgeschrieben, wieder vermehrt bei der WKW.group auszubilden. Der Belegschaft war klar: Ohne diese schwere Entscheidung hätte der Investor nicht übernommen, und die WKW-Gruppe hätte komplett schließen müssen. Dann stünden heute nicht 500, sondern weit über 1.500 Kolleginnen und Kollegen auf der Straße. Für jeden Einzelnen der knapp 500 Beschäftigten, die nicht übernommen werden und teils seit Jahrzehnten im Betrieb sind, ist das finanziell und persönlich leider eine schwierige Situation – zumal es in der aktuellen Krise der Automobilindustrie nicht einfach sein wird, zeitnah einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Wir werden diese Kolleginnen und Kollegen jedoch nicht allein lassen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Transfergesellschaft werden wir alles tun, um den Betroffenen so schnell wie möglich eine echte Anschlussbeschäftigung zu vermitteln.“

Der Insolvenzverwalter hob den hohen Einsatz der Beschäftigten hervor, die während der vergangenen Jahre loyal zur WKW.group gestanden haben. „Ohne das Engagement jedes
Einzelnen wäre diese Investorenlösung gar nicht möglich gewesen“, betonte Exner. Vor diesem Hintergrund zeigte er sich zufrieden, dass die Folgen des Arbeitsplatzabbaus für die
Betroffenen durch die Einrichtung einer Transfergesellschaft zumindest ein wenig abgefedert werden können. Dort werden sie bis zu acht Monate weiterbeschäftigt und erhalten Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Der Erwerber hat sich maßgeblich an der Finanzierung der Transfergesellschaft beteiligt. Exner dankte ausdrücklich nochmals den Automobilherstellern für ihre Unterstützung während des Insolvenzverfahrens. Diese hätten maßgeblich zum erfolgreichen Neustart der WKW.group beigetragen. „Die Automobilhersteller haben an die Zukunft der WKW.group geglaubt und diesen komplexen und langwierigen Prozess konstruktiv unterstützt“, so Exner.

Die WKW.group fertigt Zier- und Funktionsbauteile sowie Dachrelingsysteme aus Aluminium, Stahl und Kunststoff. Zu den Kunden des Unternehmens gehören zahlreiche große deutsche Automobilhersteller. www.wkw-group.com

Kurzporträt Kanzlei Dr. Beck & Partner:
Die Kanzlei Dr. Beck & Partner GbR zählt mit 8 Insolvenzverwaltern und mehr als 170 Mitarbeitern an 8 Standorten in Bayern zu den führenden deutschen Insolvenzverwaltungs-
Kanzleien. In den vergangenen Jahren hat die Kanzlei zahlreiche namhafte Unternehmensinsolvenzverfahren, darunter auch Konzerninsolvenzen mit internationalem Bezug, betreut. Joachim Exner verfügt über besondere Erfahrung insbesondere bei der Sanierung von mittelständischen Unternehmensgruppen, z.B. EISENMANN, Neumayer-Tekfor, Loewe und Metz. Exner ist Mitglied des Gravenbrucher Kreises, des Zusammenschlusses der führenden deutschen Sanierungsexperten und Insolvenzverwalter.
Weitere Informationen unter: www.ra-dr-beck.de