Accell Germany GmbH und deutsche Tochtergesellschaften stellen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung

Sennfeld, 7. August 2026 – Die deutschen Konzerngesellschaften der Accell Group mit den Marken Winora, Haibike, Ghost und E. Wiener Bike Parts streben eine Sanierung in Eigenverwaltungsverfahren an; die Geschäftsbetriebe sollen fortgeführt werden.

Die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld hat am 5. August 2026 beim Amtsgericht Schweinfurt einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Auch die Tochtergesellschaften Winora Staiger GmbH und Ghost-Bikes GmbH als Hersteller von Fahrrädern und E-Bikes sowie der Fachgroßhändler für Fahrradteile und -zubehör Engelbert Wiener Bike Parts GmbH haben am 5. August entsprechende Anträge auf Eröffnung von Eigenverwaltungsverfahren beim zuständigen Amtsgericht Schweinfurt gestellt.

Alle Unternehmen sollen im Rahmen der eingeleiteten (vorläufigen) Eigenverwaltungsverfahren saniert, die Geschäftsbetriebe während der eingeleiteten gerichtlichen Sanierungsverfahren bestmöglich fortgeführt werden. Ziel ist eine Investorenlösung unter Herauslösung der deutschen Geschäftstätigkeiten aus der internationalen Accell-Gruppe. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind über das Insolvenzgeld bis Ende Oktober 2026 gesichert.

„Die Eigenverwaltungsverfahren geben uns die Möglichkeit, die Sanierung der deutschen Gesellschaften unter schwierigen Marktbedingungen strukturiert anzugehen”, betont Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger, Stuttgart, der für die Dauer der Eigenverwaltungsverfahren als Generalbevollmächtigter in die Unternehmen eingetreten ist und die Geschäftsführung gemeinsam mit seinen Partnerkollegen Dr. Hans Konrad Schenk und Markus Berger bei der Restrukturierung unterstützt.

Die Accell Germany Gruppe ist Teil der internationalen Accell Group, die die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR & Co. 2022 mehrheitlich erworben hatte. Unmittelbar nach der Übernahme kam es wegen des Abflauens des Covid-bedingten Fahrradbooms zu einer noch immer andauernden Absatz- und Preiskrise im Fahrradmarkt. Trotz umfangreicher finanzieller Restrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2024 und 2025 gelang keine nachhaltige Sanierung.

Ein daraufhin eingeleiteter strukturierter Verkaufsprozess für die gesamte Accell Group ist zum Monatswechsel endgültig gescheitert. Infolgedessen hat die Accell Group weltweit in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union Insolvenzanträge gestellt, darunter in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.

Eigenverwaltung bietet Chance für Neuaufstellung

Die in Deutschland beantragte Eigenverwaltung bietet den deutschen Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen. Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, welche die Sanierung selbst steuert. Das Insolvenzrecht erlaubt dies in Fällen, in denen Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig selbst tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht. Beides ist bei der Accell Germany GmbH und ihren Tochtergesellschaften der Fall.

„Die Einleitung der Eigenverwaltungsverfahren ist ein wichtiger Schritt, um die deutschen Gesellschaften der Accell Group nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden, Partnern und den Sanierungsexperten werden wir die Chancen dieses Verfahrens konsequent nutzen, um unsere Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Weiterentwicklung zu schaffen”, erläutert Joost van Schaik, Geschäftsführer von Accell Germany.

„Der Markt für Fahrräder und E-Bikes kam nach dem pandemiebedingten Boom in eine Krise, die bis heute viele Hersteller vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die deutschen Accell-Gesellschaften verfügen mit Winora, Haibike, Ghost und E. Wiener Bike Parts über etablierte Marken, die im Markt gut positioniert sind und über eine treue Kundenbasis verfügen. Das ist eine solide Grundlage für die Sanierung”, erklärt Dr. Hans Konrad Schenk, Rechtsanwalt und Partner bei Grub Brugger am Standort Frankfurt.

„Ob eine erfolgreiche Sanierung gelingt, hängt von vielen Faktoren ab, darunter die weitere Marktentwicklung und die Bereitschaft aller Beteiligten, das Verfahren konstruktiv zu begleiten. Wir sind jedoch zuversichtlich und werden alles daransetzen, Investoren zu finden, die den deutschen Teil der Accell Group mit den etablierten Marken fortführen möchten”, ergänzt Martin Mucha.

Ein Team der Kanzlei Grub Brugger Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB begleitet die deutschen Gesellschaften der Accell Group im Zuge der Eigenverwaltungsverfahren. Die betriebswirtschaftliche Beratung erfolgt durch Bachert & Partner Unternehmensberatung.

Als vorläufiger Sachwalter wurde in allen Verfahren der Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus bestellt, Partner der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen, verantwortlich für den Standort Nürnberg. Seine Aufgabe ist es, das Verfahren im Interesse der Gläubiger zu überwachen. „Die Eigenverwaltung zeigt in der Praxis regelmäßig, dass sie sanierungsfähigen Unternehmen echte Chancen eröffnet. Auf Basis erster Gespräche mit den Beteiligten und einer kursorischen Bestandsaufnahme sehe ich für die Accell-Gesellschaften gute Voraussetzungen, die Mittel des deutschen Insolvenzrechts erfolgreich nutzen zu können”, sagt Debus.

Über Accell Germany

Die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld ist Teil der internationalen Accell Group, einem weltweit agierenden Fahrradkonzern mit mehr als 2.500 Mitarbeitenden und einem Umsatz von zuletzt über 1 Mrd. Euro. Die deutsche Unternehmensgruppe entwickelt und vertreibt unter den Marken Winora, Haibike und Ghost Fahrräder und E-Bikes sowie unter XLC Fahrradzubehör und Ersatzteile.

Zur Accell Germany Gruppe gehören die Tochtergesellschaften Winora Staiger GmbH, Engelbert Wiener Bike Parts GmbH und Ghost-Bikes GmbH. An den Standorten Sennfeld und Waldsassen beschäftigt die deutsche Gruppe rund 370 Mitarbeitende. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Accell Germany Gruppe einen Umsatz von über 340 Mio. Euro.

Über Grub Brugger

Seit über sechs Jahrzehnten agiert Grub Brugger national und international, derzeit mit Standorten in Stuttgart, Frankfurt am Main, München und Freiburg. Seit der Gründung 1965 hat sich die Kanzlei konsequent auf das Insolvenz-, Sanierungs- und Wirtschaftsrecht ausgerichtet. Die Beratung von Unternehmen in der Krise und deren Gläubigern, die Insolvenzverwaltung sowie die Zusammenarbeit mit Finanzinvestoren und Kreditinstituten haben das Profil von Grub Brugger maßgeblich geprägt. Grub Brugger ist eine vielfach seit Jahren in der Fach- und Wirtschaftspresse ausgezeichnete Kanzlei und gehört deutschlandweit zu den führenden Adressen in der Insolvenz- und Sanierungsberatung sowie in der Insolvenz- und Eigenverwaltung. www.grub-brugger.de

Martin Mucha ist Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, Partner der Kanzlei Grub Brugger und laut JUVE-Handbuch Wirtschaftskanzleien 2025/2026 wiederholt einer der führenden Namen in der Insolvenzverwaltung in Deutschland. Ebenfalls wurde Martin Mucha zuletzt im Ranking der WirtschaftsWoche unter den renommiertesten Anwälten für Restrukturierung aufgeführt. Die Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung hat Martin Mucha im Jahr 2023 den Award „Eigenverwalter/in des Jahres” verliehen. Das Handelsblatt hat Martin Mucha im gleichen Jahr zum Anwalt des Jahres im Bereich Restrukturierung und Insolvenzrecht ausgezeichnet. Martin Mucha ist u. a. Mitglied im Gravenbrucher Kreis und im Fachausschuss für Insolvenzrecht der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK).

Dr. Hans Konrad Schenk ist Partner bei Grub Brugger am Standort Frankfurt am Main und wurde zuletzt von der WirtschaftsWoche und dem Handelsblatt als einer der führenden Anwälte in Deutschland für Restrukturierung bzw. Insolvenzrecht ausgezeichnet.

Über Bachert & Partner

B&P berät Beratung von Unternehmen in Krisensituationen und ist einer der Marktführer im süddeutschen Raum. Mit über 60 Mitarbeitern an fünf Standorten in Deutschland und Österreich vereint B&P betriebswirtschaftlichen und produktionstechnischen Sachverstand und Erfahrung unter einem Dach. B&P unterstützt mittelständisch geprägte Unternehmen in den Bereichen M&A/Transaktionsmanagement, Restrukturierung/Transformation und in insolvenznahen Themenstellungen. www.bachert-partner.de

Helge Hoffmann ist bereits seit fast 20 Jahren als Partner bei Bachert & Partner für die Erarbeitung und Umsetzung anspruchsvoller Restrukturierungskonzepte verantwortlich. Durch seine Tätigkeiten verfügt Helge Hoffmann über umfangreiche Expertise in der Analyse insolvenznaher Sanierungskonzepte sowie in der Bewertung und Umsetzung von Insolvenzplänen

Über Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen

Die Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen ist eine seit vielen Jahren auf Sanierung und Insolvenzverwaltung spezialisierte Sozietät von Rechtsanwälten in München, Nürnberg und anderen bayerischen Städten. Insgesamt sieben Verwalter bearbeiten Insolvenzverfahren an zahlreichen Amtsgerichten in Bayern und Thüringen. Zu den besonderen Stärken der Kanzlei zählen neben der übertragenden Sanierung auch das Insolvenzplanverfahren, die Eigenverwaltung sowie Konzern- und Gruppeninsolvenzen. www.mhbk.de

Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Dr. Stefan Debus ist spezialisiert auf Betriebsfortführungen und Sanierungen und wird seit vielen Jahren von zahlreichen Gerichten bei UnternehmensInsolvenzverfahren bestellt. Er verfügt u. a. in den Branchen Automotive, Finanzdienstleistungen, Einzelhandel, Soziales und Gesundheitswesen, Maschinenbau, Gastronomie und im Bauwesen über große Expertise. Dr. Debus ist Mitglied im Verband Insolvenzverwalter Deutschlands e. V. (www.vid.de) und stellvertretender Vorsitzender des Hamburger Kreises für Sanierungs- und Insolvenzsteuerrecht e.V. In den Rankings der Publikationen The Legal 500 Deutschland, Juve Handbuch Wirtschaftskanzleien, WirtschaftsWoche und Handelsblatt wird Dr. Debus als hervorragender Anwalt empfohlen.