- Betrieb aller Einrichtungen, Leistungen und Dienste wird unverändert fortgeführt
Bielefeld, 27. Juli 2026. Der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Bielefeld e.V. („AWO Bielefeld“) hat heute beim zuständigen Amtsgericht in Bielefeld die Durchführung eines Eigenverwaltungsverfahrens beantragt. Das Gericht hat das Verfahren bestätigt und die vorläufige Eigenverwaltung beschlossen. Mit diesem Schritt reagiert der Verband auf die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen in der Sozialbranche und schafft die Voraussetzungen für eine nachhaltige wirtschaftliche Neuaufstellung. Gleichzeitig wurde ebenfalls für die Tochtergesellschaft AWO Bielefeld Soziale Dienstleistungen gGmbH („SDL“) ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt und genehmigt.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für soziale Träger haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Während die Kosten in nahezu allen Bereichen erheblich gestiegen sind, erfolgt die Refinanzierung vielfach erst Monate nach der Leistungserbringung. Die daraus resultierende Vorfinanzierungslast und die damit verbundenen Liquiditätslücken haben die AWO Bielefeld wirtschaftlich erheblich belastet.
Ziel des Verfahrens ist es daher jetzt, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Arbeit des Kreisverbandes nachhaltig zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Anpassung an veränderte Refinanzierungsbedingungen sowie die Schaffung tragfähiger Strukturen, um die Angebote langfristig auf einer soliden wirtschaftlichen Grundlage fortzuführen.
Im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens werden damit auch sämtliche Bereiche des Verbandes umfassend analysiert und auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit überprüft. Bereits in den vergangenen Wochen wurden erste Maßnahmen entwickelt, die nun im weiteren Verlauf des Verfahrens schrittweise umgesetzt werden.
Für die Menschen aus Bielefeld, für die der Kreisverband tagtäglich da ist, die rund 1.100 Mitglieder sowie die zahlreichen Kooperationspartner ändert sich durch das Eigenverwaltungsverfahrens nichts. Sämtliche Leistungen und Angebote werden uneingeschränkt und in der gewohnten Qualität fortgeführt. Auch die ehrenamtlich getragenen Angebote des AWO Kreisverbands in den Stadtteilen sind in keiner Weise betroffen. „Wir werden den Menschen in unserer Stadt und der Umgebung auch während des Verfahrens weiterhin zuverlässig zur Seite stehen. Wir sind sehr gut organisiert. Unsere Angebote laufen uneingeschränkt weiter. Niemand muss sich Sorgen machen“, betonen die Vorstandsmitglieder Kirsten Hopster und Markus Wrobbel, die auch im Eigenverwaltungsverfahren voll handlungs- und weisungsbefugt bleiben.
Die AWO Bielefeld wird im Verfahren mit Rechtsanwalt Daniel Meintz von der DM Rechtsanwaltskanzlei aus Dortmund von einem erfahrenen Generalbevollmächtigten unterstützt, der über umfangreiche Sanierungsexpertise verfügt und bereits zahlreiche Restrukturierungen erfolgreich begleitet hat. „Die Eigenverwaltung hat sich als wirksames Instrument zur nachhaltigen Neuaufstellung von Unternehmen und Verbänden bewährt. In den kommenden Wochen werden wir mit allen wesentlichen Beteiligten, insbesondere den Kostenträgern, intensive Gespräche führen. Gemeinsam werden wir die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit der Kreisverband seine wichtige Arbeit für die Menschen in der Stadt dauerhaft, verlässlich und in der gewohnt hohen Qualität fortsetzt“, sagt der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht.
Das Gericht hat darüber hinaus mit dem sanierungserfahrenen Rechtsanwalt Dr. Mike Westkamp von der Kanzlei Görg einen vorläufigen Sachwalter bestellt, der das Verfahren im gerichtlichen Auftrag unabhängig und konstruktiv begleitet.
Die rund insgesamt 800 Mitarbeitenden sind eine wichtige Säule für die Arbeit der AWO Bielefeld. Sie wurden bereits über die aktuelle Situation und die nächsten Schritte informiert. Ihre Löhne und Gehälter sind gesichert. Für die Monate Juli, August und September 2026 erhalten sie Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit. Im Anschluss werden die Lohn- und Gehaltskosten wieder direkt vom Kreisverband bezahlt.
Wichtiger Hinweis: Der jetzt eingeleitete Prozess steht in keinem Zusammenhang mit der erfolgreichen Sanierung des AWO Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe e.V. vor zwei Jahren. Das Eigenverwaltungsverfahren betrifft ausschließlich den Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Bielefeld e.V. und die AWO Bielefeld Soziale Dienstleistungen gGmbH. Hiervon sind ausdrücklich nicht betroffen alle weiteren Organisationen der Arbeiterwohlfahrt, wie die Freizeit- und Bürgerzentren Bielefeld gGmbH (FuBB), an der die AWO Bielefeld zu fünfzig Prozent beteiligt ist, Ortsvereine und Kreisverbände in OWL, der Bezirksverband sowie andere AWO-Verbände in NRW und der Bundesverband.
Weitere Informationen:
Der AWO Kreisverband Bielefeld e.V. gehört mit rund 700 Mitarbeitenden sowie mehr als 400 ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen zu den großen Anbietern sozialer Dienstleistungen in Bielefeld. Er bietet für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien und ältere Menschen vielfältige und umfassende soziale Dienstleistungen. Das Angebot ist in insgesamt sechs Fachbereiche unterteilt.
- Quartier und Begegnung: Begegnungszentren für Senioren und Mehrgenerationenhaus, Stadtteilzentren, dem Bielefelder Modell (Wohnen mit Versorgungssicherheit)
- Kinder, Jugend und Familie: Betrieb einer Kindertagesstätte, Dienst Schulbegleitung, Trägerschaft des Offenen Ganztags an insgesamt 25 Grundschulen in Bielefeld, Familiengrundschulzentren, Schulsozialarbeit an 13 Schulen, Beratungsstelle Wegweiser im Auftrag des Innenministeriums
- Beratung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte: Beratungsstellen, Jugendmigrationsdienst
- Soziale Hilfen und Beratung: Frauenhaus, Ambulante Eingliederungshilfe, Betreuungsverein, Ambulanter Hospizdienst;
- Bildung und Qualifizierung: Weiterbildungswerk, Sprachqualifizierung, IQ – Integration durch Qualifizierung
- Innovation und Entwicklung: Impulsteam für Projektentwicklung, Stabsaufgaben Digitalisierung, KI, Social Media, Schutzkonzepte (Kinder- und Gewaltschutz)
Die AWO Bielefeld Soziale Dienstleistungen gGmbH isteine hundertprozentige Tochtergesellschaft des AWO Kreisverband Bielefeld e.V. Sie übernimmt für den Verband Leistungen im Bereich der ambulanten Pflege an mehreren Standorten. In der Gesellschaft sind derzeit 105 Mitarbeiter und zwei Auszubildende beschäftigt. Internet: www.awo-bielefeld.org