- Sanierung im Rahmen eines strukturierten Investorenprozesses im Planverfahren vorgesehen
- Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter
- Löhne und Gehälter der rund 90 Mitarbeitenden bis Ende Juli 2026 durch Insolvenzgeld gesichert
Zweibrücken. Die comlet Verteilte Systeme GmbH hat beim Amtsgericht Zweibrücken die Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens beantragt, um das Unternehmen umfassend zu sanieren und neu auszurichten.
Das Gericht hat am 1. Mai 2026 die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet und Dr. Dirk Pehl von der bundesweit vertretenen Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Zudem wurde ein vorläufiger Gläubigerausschuss eingesetzt, der die Eigenverwaltung sowie die Bestellung des vorläufigen Sachwalters im Vorfeld unterstützt hatte.
Als Sanierungsgeneralbevollmächtigter begleitet Jean-Olivier Boghossian (DORNBACH) die Geschäftsführung im Verfahren. Gemeinsam mit dem Sachwalter wird er einen Sanierungsplan erarbeiten.
„Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter. Grundlage ist eine positive Fortführungsprognose sowie die Überzeugung, dass unser Geschäftsmodell tragfähig ist. Ziel ist es, das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren und neu auszurichten“, erklärt Boghossian.
„Die aktuelle Krise ist nicht auf strukturelle Schwächen zurückzuführen. Sie resultiert vielmehr aus externen Einflüssen im Zuge der strategischen Neuausrichtung, insbesondere durch den kurzfristigen Wegfall eines wesentlichen Kunden“, erläutert Geschäftsführer Steffen Fromm. Zusätzlich belaste eine allgemein rückläufige Investitionsbereitschaft in wichtigen Branchen wie Automotive, Maschinen- und Anlagenbau, Nutzfahrzeuge sowie Energie- und Infrastruktur die Geschäftsentwicklung.
Boghossian zeigt sich zuversichtlich: „Wir sind überzeugt, dass das eingeleitete Verfahren den bestmöglichen Weg zum Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze sowie zur bestmöglichen Befriedigung der Gläubiger darstellt.“ Bei Zustimmung von Gericht und Gläubigern könnte das Verfahren bereits im Herbst 2026 abgeschlossen werden.
Seit der Gründung im Jahr 2001 steht comlet für hohe Innovationskraft und tiefgehende technologische Expertise in den Bereichen Embedded Systems, Connectivity und IoT. Das Unternehmen entwickelt anspruchsvolle Software- und Systemlösungen für komplexe, vernetzte Infrastrukturen und begleitet seine Kunden ganzheitlich von der Architektur über die Implementierung bis zum Betrieb. Ein besonderer Fokus liegt auf der intelligenten Integration und Weiterentwicklung bestehender Systemlandschaften, um Daten aus Altsystemen nutzbar zu machen und in moderne, skalierbare Plattformen zu überführen. Mit einem ausgeprägten Verständnis für industrielle Prozesse und Technologien treibt comlet die digitale Transformation seiner Kunden voran und schafft nachhaltige, zukunftssichere Lösungen für datengetriebene Geschäftsmodelle.
Im Fokus stehen insbesondere Kunden aus Automotive, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Nutzfahrzeug- und Off-Highway-Industrie sowie aus den Bereichen Energie und Verkehrsinfrastruktur. Weitere Zielmärkte sind unter anderem Medizintechnik, Gebäudetechnik und die produzierende Industrie mit wachsendem Bedarf an Software- und Vernetzungslösungen.
„comlet verbindet kundennahes Lösungsdesign mit skalierbarer Leistungserbringung auf Basis eines hybriden Modells. Dieses vereint Leistungen aus Deutschland, europäischem Nearshoring und KI-gestützten Entwicklungsmethoden“, ergänzt Geschäftsführer Henrik Becker, der comlet zusammen mit Steffen Fromm leitet.
Auch der vorläufige Sachwalter bewertet die Ausgangssituation nach ersten Gesprächen als grundsätzlich positiv. Nach seiner Einschätzung ist das Unternehmen damit auch für langfristig orientierte Investoren attraktiv. „Die bisherige und die angestrebte Aufstellung des Unternehmens und die bereits eingeleiteten Maßnahmen sind eine gute Ausgangslage, um die eingeleitete Neuausrichtung der comlet Verteilte Systeme zu einem Erfolg zu bringen“, sagt Dr. Pehl. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die comlet gemeinsam in absehbarer Zeit über den angedachten Sanierungsplan sanieren können.“
Parallel zur Eigenverwaltung wurde ein strukturierter Investorenprozess gestartet. Mit der Durchführung ist, die auf Unternehmensverkäufe aus Sondersituationen spezialisierte MENTOR AG mit Sitz in Trier beauftragt. Interessierte strategische Investoren, Beteiligungsgesellschaften oder branchennah aufgestellte Unternehmen können sich direkt an Sebastian Schmitt (sebastian.schmitt@mentor.ag) und Uwe Borgers (uwe.borgers@mentor.ag) wenden.
Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten sind bereits über das geplante Eigenverwaltungsverfahren informiert worden. Die Löhne und Gehälter der rund 90 Mitarbeitenden sind bis Ende Juli 2026 durch das sogenannte Insolvenzgeld abgesichert. Die kommenden Monate sollen genutzt werden, um den Sanierungsplan zu detaillieren und das Unternehmen neu aufzustellen.
„Wir haben frühzeitig den Weg eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens eingeschlagen und sehen darin eine große Chance für die Zukunft des Unternehmens“, erklärt Geschäftsführer Becker. Fromm ergänzt: „Der Erfolg hängt maßgeblich von der Unterstützung unserer Kunden, Lieferanten und vor allem unserer Mitarbeitenden ab. Wir setzen auf eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit.“
Hintergrund zur Eigenverwaltung
Die Eigenverwaltung bietet dem Unternehmen Planungssicherheit und berücksichtigt gleichzeitig die Interessen der Gläubiger. Das Unternehmen darf, unterstützt durch Sanierungsexperten und unter Aufsicht eines Sachwalters, die Gesellschaft selbst durch das Verfahren führen. Bei einem Eigenverwaltungsverfahren bleibt die Geschäftsführung des Unternehmens im Amt.