- Dr. Alexander Völker gewinnt den 1. Preis in der Kategorie Wissenschaft (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
- René Bender, Sönke Iwersen, Michael Verfürden vom Handelsblatt gewinnen gemeinsam den 1. Preis in der Kategorie Journalismus
- Zehnte feierliche Preisverleihung in Berlin
Berlin / Hamburg, 18. September 2026
Ein doppeltes Jubiläum in Berlin: Zum 40. Jahrestag seiner Gründung vergibt der Gravenbrucher Kreis, der Zusammenschluss von Vertretern führender Restrukturierungs- und Insolvenzkanzleien Deutschlands, zum zehnten Mal den alle zwei Jahre ausgelobten Wissenschafts- und Journalismuspreis in einer feierlichen Zeremonie.
In der Kategorie Wissenschaft hat Dr. Alexander Völker mit seiner Dissertation über Finanzgläubiger in der Stabilisierung des Schuldners in diesem Jahr den ersten Preis gewonnen. In der Kategorie Journalismus ging der erste Platz an ein Autorenteam des Handelsblatts bestehend aus René Bender, Sönke Iwersen und Michael Verfürden, das zu dem Zusammenbruch der Centrum-Gruppe und der damit verbundenen Insolvenz ihres Gründers Uwe Reppegather recherchiert und geschrieben hat. Hier stehen insbesondere Finanztransaktionen im Umfeld der Verbindlichkeiten im Fokus.
„Das wirtschaftliche Umfeld in Deutschland bleibt weiterhin anspruchsvoll, wir verzeichnen einen immensen Anstieg an Restrukturierungssituationen. Wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema schaffen Orientierung, während kritische Analysen die Grundlage für neue Lösungsansätze bilden. Auf der anderen Seite macht guter Journalismus Zusammenhänge für die Öffentlichkeit verständlich, ordnet ein und schafft so Vertrauen und Transparenz. Diese besonderen Leistungen würdigen wir mit unserem Preis. Allen Preisträgern gratuliere ich herzlich“, sagte der Sprecher des Gravenbrucher Kreises, Stefan Denkhaus, anlässlich der Vergabe.
Eingereicht wurden elf überdurchschnittlich bewertete Dissertationen von jungen Akademikerinnen und Akademikern, die sich schwerpunktmäßig mit Restrukturierung oder Insolvenz von Unternehmen, und mit deutlichem Bezug zum deutschen Recht, befassen. „Aus diesen wissenschaftlichen Untersuchungen können Impulse für die Weiterentwicklung des Restrukturierungs- und Insolvenzrechts entstehen. Damit spiegeln sie auch eine Grundidee des Gravenbrucher Kreises wider: den Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und anderen Beteiligten.“
Mehr als 25 journalistische Einreichungen hat die Jury dieses Mal bewertet. Neben einer Vielzahl von Themenbereichen decken die Veröffentlichungen auch eine große Medien-Brandbreite ab, von Lokalzeitungen über bundesweite Leitpublikationen bis zum Fernsehen. „Mit dem Journalismuspreis zeichnen wir Medienschaffende aus, die die komplexen Prozesse von Insolvenz und Restrukturierung fundiert recherchiert haben, sie differenziert einordnen und ihrem jeweiligen Publikum zugleich verständlich vermitteln“, so Stefan Denkhaus. Die drei ausgezeichneten Veröffentlichungen – aus einem bundesweit erscheinenden Wirtschaftsmedium, einer Lokalredaktion sowie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk – unterstreichen die Bedeutung fundiert recherchierter und spannend erzählter Berichte für die öffentliche Wahrnehmung von Restrukturierungs- und damit wirtschaftlich relevanten Themen.
Preisträger und Preisträgerinnen
Die Preisträgerinnen und Preisträger des Wissenschaftspreises
Der 1. Preis in der Kategorie Wissenschaft geht in diesem Jahr an Dr. Alexander Völker für die an derMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eingereichte Dissertation Finanzgläubiger in der Stabilisierung des Schuldners,die 2025 im NomosVerlag veröffentlicht wurde. Er analysiert, ob die gesetzliche Stabilisierungsanordnung die spezifischen Bedürfnisse und Risiken von Finanzgläubigern angemessen erfasst und welcher Reformbedarf sich daraus ergibt. Die Arbeit fragt damit zugleich nach der dogmatischen Einordnung des Restrukturierungsmoratoriums, nach der Reichweite seiner Wirkungen und nach einem kohärenten gesetzlichen Stabilisierungskonzept.
Mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde Dr. Jonas Schwarting für seine Dissertation Durchsetzung der Insolvenzanfechtung im Ausland, die an der Universität Hamburg angenommen wurde (Veröffentlichung bei Mohr Siebeck, 2025). Darin untersucht er, auf welchen Wegen eine Insolvenzanfechtung grenzüberschreitend durchgesetzt werden kann, wenn das Insolvenzverfahren in einem Staat eröffnet wurde, der Anfechtungsgegner oder Vermögensgegenstände aber in einem anderen Staat liegen.
Den 3. Platz erzielt die Doktorarbeit Geschäftsleiter vs. Gesellschafter unter dem StaRUG von Dr. Maximilian Alexander Kaul (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, veröffentlicht im Nomos Verlag, 2026). Behandelt wird darin, wie das StaRUG das gesellschaftsrechtliche Binnenverhältnis zwischen Geschäftsleitung und Gesellschaftern in der vorinsolvenzlichen Krise verändert. Zentrale Frage ist, ob und in welchem Umfang die Geschäftsleitung während eines rechtshängigen Restrukturierungsverfahrens an den Interessen der Gläubigergesamtheit ausgerichtet ist und welche Einwirkungs-, Beschluss- und Weisungsbefugnisse den Gesellschaftern verbleiben.
Die Preisträger des Journalismuspreises
Der 1. Preis in der Kategorie Journalismus geht an René Bender, Sönke Iwersen, Michael Verfürden für ihren im Handelsblatt erschienen Artikel Wie Uwe Reppegather 1,6 Milliarden Euro Forderungen erledigte. Anschaulich und für die Leser gut nachvollziehbar zeichnen sie den Weg des Immobilienentwicklers Uwe Reppegather und seiner Centrum-Gruppe nach. Dabei überzeugen sowohl der Aufbau (von der Ausnahmekarriere des Protogonisten bis zu dubiosen Deals) als auch Stil und minutiöse Recherche. Den Autoren gelingt es, komplexe, ja beinahe trockene Finanzthemen als mitreißende Story zu erzählen.
Mit dem 2. Preis wird Wolfgang Würth für sein Dossier Ziegler – Aufstieg und Fall in Der Neue Tag/Oberpfalz Medien ausgezeichnet. Es stellt eine enorme Rechercheleistung und tiefe Kenntnis der Unternehmensgruppe Ziegler aus der nördlichen Oberpfalz unter Beweis. Der Haupttext wird durch kürzere Stücke erweitert, die Perspektive erweitern, dazu zählen auch Grafiken sowie ein Erklärvideo. Insbesondere für ein Lokalmedium ist diese umfangreiche Aufbereitung außergewöhnlich. Der Leserschaft bietet sie einen erstklassigen Erkenntnisgewinn über ein für die Region relevantes Thema.
Für die Arte-ProduktionWenn die Pleitewelle rollterhält TV-Journalisten Dr. Rita Knobel-Ulrich den 3. Preis. Sie lässt von Insolvenzen Betroffene sowohl aus Deutschland als auch aus Großbritannien zu Wort kommen, wodurch eine starke Beziehung zwischen Zuschauern und Protagonisten entsteht. Die Autorin lässt die Menschen erzählen ohne zu bewerten, so dass das Publikum selbst seine Schlüsse ziehen kann. Das verleiht dem Film eine starke Wirkung.
Der Gravenbrucher Kreis, Zusammenschluss führender, überregional tätiger Insolvenzverwalter und Restrukturierungsexperten Deutschlands, wurde 1986 gegründet, feiert damit also in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag. Den mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Preis hat der Gravenbrucher Kreis in diesem Jahr zum zehnten Mal in den beiden Kategorien vergeben.
Berücksichtigt wurden Arbeiten, die im Zeitraum vom 1. Juni 2024 bis zum 31. Mai 2026 erschienen sind.
Pressefotos von der Preisverleihung 2026
Gravenbrucher Kreis Preis Wissenschaftspreis 2026 (v.l.n.r.):
Stefan Denkhaus und Dr. Christoph Morgen (Laudatoren), Dr. Maximilian Alexander Kaul, Dr. Alexander Völker, Dr. Jonas Schwarting, Dr. Jens M. Schmidt (Laudator)
Bildunterschrift Gravenbrucher Kreis Journalismpreis 2026: (v.l.n.r.):
Juror Klaus-Peter Siegloch mit den Preisträgern: Dr. Rita Knobel-Ulrich (ARTE), Wolfgang Würth (Der Neue Tag/Oberpfalz Medien), René Bender und Michael Verfürden (beide Handelsblatt) sowie Stefan Denkhaus (Sprecher des Gravenbrucher Kreis),
Fotonachweis alle Fotos:
Andreas Laible
Informationen zu den Preisen
Der Gravenbrucher Kreis Wissenschafts- und Journalismuspreis wird in diesen beiden Kategorien seit 2008 alle zwei Jahre vergeben, im Jahr 2026 zum zehnten Mal. Dotiert sind die ersten Plätze mit je 5.000 Euro, die zweiten und dritten Plätze mit je 3.000 bzw. 2.000 Euro. Mit dem Wissenschaftspreis fördert der Gravenbrucher Kreis junge Akademikerinnen und Akademiker aus dem Bereich der Rechtswissenschaften und angrenzenden Wissenschaftsgebieten, deren Dissertation einen Bezug zum deutschen Restrukturierungs- und Insolvenzrecht hat und überdurchschnittlich bewertet wurde.
An dem Journalismuswettbewerb können Journalistinnen und Journalisten mit Beiträgen aus den Bereichen Print, Fernsehen, Radio und Online-Medien teilnehmen. Dabei sind nicht nur Beiträge aus überregionalen Medien gefragt; auch Lokal- und Wirtschafts-
journalisten, die oft über Monate hinweg Restrukturierungen oder Insolvenzen begleiten, fortlaufende Berichte recherchieren und veröffentlichen, sind eingeladen.
Die Jury:
Prof. Dr. Dirk Andres, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht
Prof. Dr. Reinhard Bork, Universitätsprofessor a.D., Lehrstuhl für Zivilprozess- und Allgemeines Prozessrecht, Universität Hamburg
Stefan Denkhaus, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht
Prof. Dr. Lucas F. Flöther, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht
Prof. Dr. Florian Jacoby, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilverfahrens-, Insolvenz- und Gesellschaftsrecht, Universität Bielefeld
Kristina Läsker, selbstständige Wirtschaftsredakteurin (Spiegel Wissen, Zeit, brand eins) und Moderatorin, zuvor Chefin vom Dienst bei Spiegel Online, Vorsitzende des Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten e. V.
Prof. Dr. Stephan Madaus, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilprozess- und Insolvenzrecht, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Dr. Christoph Morgen, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht, Steuerberater, Betriebswirt
Dr. Jens Schmidt, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Klaus-Peter Siegloch, ehem. stellvertretender Chefredakteur des ZDF und Moderator der Nachrichtensendungen „heute“ und „heute-journal“, zuvor journalistische Tätigkeit unter anderem beim NDR, zuletzt Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft
Prof. Dr. Christoph Thole, Direktor des Instituts für Verfahrensrecht und Insolvenzrecht sowie des Instituts für Internationales und Europäisches Insolvenzrecht, Universität zu Köln
Über den Gravenbrucher Kreis
Im Gravenbrucher Kreis sind seit 1986 Vertreter führender Insolvenzkanzleien Deutschlands zusammengeschlossen, die sich durch umfassende Erfahrung und Kompetenz im Bereich überregionaler Restrukturierungs- und Insolvenzverfahren auszeichnen. Die Mitglieder verpflichten sich zur Einhaltung höchster Qualitäts- und Leistungsstandards, die sie durch das exklusive, von unabhängigen Auditoren geprüfte Zertifikat InsO Excellence nachweisen. Der Kreis hat aktuell 32 Mitglieder (davon 19 aktive und 13 passive). Sprecher des Gravenbrucher Kreises ist Stefan Denkhaus.
Seit seiner Gründung sieht sich der Gravenbrucher Kreis gefordert, das Restrukturierungs- und Insolvenzrecht sowie angrenzende Rechtsgebiete aus Sicht der Praxis fortzuentwickeln. Darüber hinaus bringt der Gravenbrucher Kreis seine Erfahrung in grenzüberschreitenden Konzerninsolvenzen ein und beteiligt sich an der Fortentwicklung internationaler Standards und Regeln im Bereich der Restrukturierung.
Der interdisziplinäre Erfahrungsaustausch und die gemeinsamen Diskussionen innerhalb des Gravenbrucher Kreises führen zu profunden Einschätzungen und fachkundigen Stellungnahmen. Diese genießen in der nationalen und internationalen Fachwelt des Restrukturierungs- und Insolvenzrechts hohe Anerkennung und finden in Gesetzgebungsverfahren Gehör.