Titelthema | INDat Report 02_2021 | März 2021

Auf Städtereise mit schwerem Gepäck

Rechtstatsächliche Untersuchung zu allen eingetragenen Sitzverlegungen im Jahr 2020 sowie Analyse des Insolvenzbezugs

Köln. Sitzverlegungen innerhalb Deutschlands mit anschließendem Insolvenzantrag sind nicht zuletzt wegen des sog. Bremer Modells im Zusammenhang mit dem Insolvenzdienstleister Alldatax zu einem brisanten und weiterhin aktuellen Thema weit über die Fachkreise hinaus geworden. Dieser Komplex befindet sich im Aufklärungsmodus, wie die Bremer Justizsenatorin mit Verweis auf die Einsetzung eines externen Sachverständigen betont. Die Staatsanwaltschaft Bremen prüft weiterhin die bei ihr einge- gangene anonyme Strafanzeige, wie diese auf Anfrage bestätigt. Auch innerhalb der Verwalterschaft führt dieses Phänomen zu kontroversen Diskussionen. Um das sog. Bremer Modell in größerem Kontext zu beleuchten und einzuordnen, braucht es zuerst eine generelle Übersicht über alle Sitzverlegungen in Deutschland, um anschließend dieses Ergebnis auf einen Insolvenzbezug hin zu prüfen. Daher bildet die Grundlage dieses Beitrags eine vom Autor vorgenommene rechtstatsächliche Untersuchung zu allen eingetragenen Sitzverlegungen bei Neueintragungen im Jahr 2020, die demnach im Übrigen ein Viertel aller über 60.000 Neuein- tragungen ausmachen. Die Verknüpfung der Sitzverlegungen registereingetragener Schuldner mit den Insolvenzbekanntmachun- gen (Abweisung mangels Masse, vorläufige Verwalterbestellung und Eröffnung) stellt dann den Insolvenzbezug her, der auch In- teressantes über den Anteil von Firmenbestattungen bei den Sitzverlegungen offenbart. Auch spannend ist der deutschlandweite Abgleich der in diesem Zeitraum betrachteten Verfahren, in denen es eine »Geschäftsführerkumulation« gibt. Das Ergebnis kann, muss aber nicht überraschen: Bisher treten demnach nur der Insolvenzdienstleister Alldatax bzw. die für ihn tätigen Mitarbeiter im Bereich von Antragsverfahren und Eröffnungen als professionelle Insolvenzgeschäftsführer und Insolvenzverleger auf. Und: Alle Eröffnungen und vorläufigen Verwaltungen nach Sitzverlegung nach Bremen – in Fachkreisen jüngst auch als »strategische Sitzverlegung« bezeichnet – betreffen Unternehmen mit Alldatax-Geschäftsführung. Text: Rechtsanwalt Klaus Kollbach

Editorial | Peter Reuter | INDat Report 02_2021 | März 2021

Weiter wachsen mit den Wurzeln

Vor 20 Jahren ist die erste Ausgabe des INDat Report erschienen und hat für Aufsehen gesorgt. Der Grund waren die Statistiken über deutschlandweite Verwalterbestellungen, die in Toprankings der Verwalter und Kanzleien abgebildet waren. Diese Datenaus- wertung sorgte erstmalig für Transparenz in der Bestellpraxis und zeigte zudem die Insolvenzgerichte, die regelmäßig nur einen kleinen Zirkel von Insolvenzverwaltern bestellten und fortan die Bezeichnung Closed Shops erhielten. In dieser Jubiläumsausgabe knüpft die Titelstory »Auf Städte- reise mit schwerem Gepäck« an den Ansatz des Fachmagazins an, mit Fakten Transparenz zu schaffen. Um der kontrovers diskutierten Sitzverlegung innerhalb Deutschlands mit angeschlossenem Insolvenzantrag weiter auf den Grund gehen zu können, bedarf es zuerst einer Übersicht aller Sitzverlegungen in Deutschland, um auf dieser Basis einen Insolvenzbezug herauszuarbeiten, den es anschließend zu bewerten gilt. Die hier vorgenommene rechtstat- sächliche Untersuchung im Allgemeinen, aber auch deren Ableitun- gen im Speziellen kommen zu interessanten Ergebnissen. Um nochmals auf die Wurzeln zurückzukommen: Der INDat Report erhielt in den Anfängen die mehr oder weniger rühmliche Titulierung »InsO-Bild«. Das hing zum einen mit einigen reißeri- schen und verknappten Artikeln zusammen, zum anderen aber auch mit dem enormen Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad in den Fachkreisen. Wir wollen an »InsO-Bild« wieder anknüpfen. Nein, wir bleiben bei der journalistischen und unabhängigen Berichterstattung, den hintergründigen Informationen und dem breiten Meinungstableau. Der Bezug zu den Wurzeln zielt auf den anderen Aspekt. Heute für einen maximalen Verbreitungs- und Bekanntheits- grad zu sorgen, heißt, sich zusätzlich gezielt auf Google und Co. einzustellen. Als INDat 2.0 angekündigt bündeln wir auf der Grundlage unserer dankenswerterweise viel beachteten Printpubli- kationen alle digitalen Services auf www.der-indat.de und bauen diese suchmaschinenoptimiert aus. Alle Inhalte, Einträge und Auftritte erhalten somit eine größtmögliche digitale Verbreitung. Und Suchanfragen rund um Restrukturierung und Insolvenz sorgen wiederum für eine hohe Trefferquote bei INDat. Trotz zusätzlicher und neuer digitaler Performance freuen wir uns sehr auf einen baldigen persönlichen Kontakt mit Ihnen.

Inhaltsverzeichnis

3
Editorial
Weiter wachsen mit den Wurzeln
6
Anzeigenübersicht/ Impressum
  7  
Statistiken
Barometer Land
8
Namen & Nachrichten
11
Standpunk
VID-Vorsitzender RA Dr. Christoph Niering
Dornröschen im Wachkoma
12
In eigener Sache
20 Jahre INDat Report
15
Titel
Rechtstatsächliche Untersuchung zu allen 68 eingetragenen Sitzverlegungen im Jahr 2020 sowie Analyse des Insolvenzbezugs 74 Auf Städtereise mit schwerem Gepäck
24
Berater & Verwalter
RA Silvio Höfer und RA Tobias Wahl (Anchor) Am Teamgeist und mit Konsens gewachsen
28
Im Gespräch
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) Die Sanierungsmoderation wird das Interesse der Praxis wecken
32
Hintergrund
Der neue Restrukturierungsrahmen für Österreich
40
Vorträge & Diskussionen
Onlinevortrag beim Institut für Insolvenzrecht e.V. Hannover über eine StaRUG-Case-Study Alles andere als ein Selbstläufer
58
Kongresse & Tagungen
40. Verbraucherinsolvenzveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im DAV als Onlineveranstaltung Entschuldungsverfahren muss deutlich einfacher und verständlicher werden