Investorenlösung für STC Spinnzwirn: Teile des Betriebs werden fortgeführt

  •   Rund 40 Arbeitsplätze bleiben erhalten
  •   Starlinger-Gruppe übernimmt zentrale Geschäftsbereiche
  •   Transfergesellschaft für nicht übernommene Beschäftigte eingerichtet
  •   Gespräche über Übernahme von Teilen der Sparte Highspeedwickler laufen

(Chemnitz, 14. September 2026) Im Insolvenzverfahren der STC Spinnzwirn GmbH, das am 1. August 2026 eröffnet wurde, ist eine Investorenlösung für Teile des Unternehmens gelungen. Der bisherige Gesellschafter Starlinger übernimmt ausgewählte Vermögenswerte. Diese bilden die Grundlage für den Neustart einer eigenständigen Gesellschaft mit rund 40 Beschäftigten. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze nicht erhalten werden können, wurde eine Transfergesellschaft eingerichtet. Das hat der vom Amtsgericht Chemnitz bestellte Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus von der überregional tätigen Kanzlei VOIGT SALUS mitgeteilt. Gemeinsam mit seinem erfahrenen und spezialisierten Team um Wirtschaftsjurist Michael Pfüller begleitet er das Insolvenzverfahren des Chemnitzer Traditionsunternehmens seit Ende Mai. „Mit der Übernahme können wichtige Teile des Unternehmens und rund 40 Arbeitsplätze erhalten werden. Gleichzeitig war uns bewusst, dass wir für einen großen Teil der Belegschaft keine Fortführungsperspektive schaffen können. Deshalb lag uns besonders daran, mit einer gut ausgestatteten Transfergesellschaft einen sozialverträglichen Übergang zu schaffen“, sagt Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus.

So sieht die Lösung im Detail aus
Im Zuge der vereinbarten Lösung übernimmt die Starlinger-Gruppe ausgewählte Vermögenswerte der STC Spinnzwirn GmbH. Auf dieser Grundlage werden die entsprechenden Aktivitäten mit rund 40 Beschäftigten in einer eigenständigen Gesellschaft neu aufgestellt. Die international agierende Maschinenbaugruppe in Familienbesitz ist bereits Gesellschafter von STC. Für den Weiterbetrieb wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die zum 1. November 2026 ihren Betrieb aufnehmen und am bisherigen STC-Standort in Chemnitz ansässig sein soll. Die neue Gesellschaft führt den Maschinen- und Anlagenbau im Bereich Extrusionsanlagen, insbesondere Monofilamentanlagen fort. Der Schwerpunkt liegt auf Anlagen zur Herstellung von Ausgangsmaterialien für Kunstrasen. Auch Reparatur, Service und Wartung bleiben erhalten. Der bisherige STC-Geschäftsführer Nico Dürrschmidt wird die neue Gesellschaft künftig leiten. Ingo Meier, bislang ebenfalls Geschäftsführer von STC, übernimmt als Werksleiter und Prokurist eine zentrale operative Führungsrolle. „Mein besonderer Dank gilt unseren Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten trotz der schwierigen und für viele persönlich belastenden Situation mit großem Engagement, Loyalität und Zusammenhalt für das Unternehmen eingestanden haben. Dass wir im Zuge der Neuausrichtung nicht allen Kolleginnen und Kollegen eine berufliche Perspektive in der neuen Gesellschaft anbieten können, bedauere ich persönlich sehr. Umso wichtiger war es uns, mit der Transfergesellschaft für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Unterstützung für neue berufliche Perspektiven zu schaffen. Ich wünsche allen Kolleginnen und Kollegen von Herzen alles Gute und viel Erfolg für ihren weiteren beruflichen Weg. Ebenso danke ich unseren Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen in dieser außergewöhnlichen Situation“, sagt Geschäftsführer Nico Dürrschmidt.

Allen Beschäftigten, die nicht übernommen werden können, wird der Übergang in die Transfergesellschaft ermöglicht. Dort sind die ehemaligen STC-Mitarbeiter bis zu acht Monate angestellt und erhalten ein aufgestocktes Transferkurzarbeitergeld. Zudem werden sie bei Bewerbungen und Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt.

Ausproduktion und Verhandlungen mit weiterem Investor
Eine wichtige Voraussetzung für die gefundene Lösung war, dass der Geschäftsbetrieb während des gesamten Insolvenzverfahrens aufrechterhalten werden konnte. „Neben der großen Loyalität des Teams konnten wir bei STC auf einen gesunden Unternehmenskern setzen. Dadurch war und ist es möglich, den Geschäftsbetrieb im Verfahren fortzuführen und parallel die notwendigen Sanierungsmaßnahmen sowie den Investorenprozess voranzutreiben“, erläutert Michael Pfüller aus dem Team des Insolvenzverwalters. Die bisherige STC-Gesellschaft wird mit einem Kernteam noch laufende Aufträge umsetzen und bis Ende Oktober 2026 ausproduzieren. Die Mitarbeiter können anschließend ebenfalls in die Transfergesellschaft wechseln.

Die erwähnte Investorensuche wurde international durchgeführt und von M&A-Experte Simon Leopold sowie seinem Team von der ABG Consulting Partner GmbH & Co. KG verantwortet. „Der strukturierte Prozess hat einmal mehr deutlich gemacht, unter welchem Anpassungsdruck die Maschinenbaubranche aktuell steht: Wir haben mit mehreren internationalen Interessenten Verhandlungen geführt. Es war jedoch keiner von ihnen bereit, das Unternehmen in seiner bisherigen Form zu übernehmen. Damit kam das beste Angebot vom bisherigen Gesellschafter Starlinger“, resümiert Simon Leopold.
Wie von ihm weiter zu erfahren war, laufen aktuell noch Gespräche mit einem potenziellen Investor über die Übernahme von Teilen der STC-Sparte Highspeedwickler.

Schwache Auftragslage führte zur Krise
Die STC Spinnzwirn GmbH mit Ursprüngen im Jahr 1866 hat sich über viele Jahrzehnte hinweg zu einem spezialisierten Anbieter im internationalen Maschinen- und Anlagenbau entwickelt. Dabei produziert und vertreibt das Unternehmen unter anderem Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Monofilament sowie Folienbändchen, etwa für Teppiche, Kunstrasen, Landwirtschafts-, Agro- und Geotextilien.

Trotz langer Historie und fester Kundenbasis hatte sich das Marktumfeld in den letzten Jahren erheblich eingetrübt. Schwache Auftragseingänge, geopolitische Unsicherheiten sowie anhaltende Investitionszurückhaltung aufgrund gestiegener Rohstoffkosten in wichtigen Absatzmärkten führten zu deutlichen Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis.

Außergerichtliche Maßnahmen konnten den zunehmenden Liquiditätsschwund nicht ausreichend abfedern. Deshalb wurde der Schritt in ein gerichtliches Sanierungsverfahren erforderlich. Der Antrag dazu erfolgte im Mai 2026. Betriebswirtschaftlich begleitet wird das Insolvenzverfahren durch die Anchor Management GmbH.

Über die Kanzlei VOIGT SALUS.
Die in Berlin beheimatete und an mehreren Standorten in Deutschland ansässige Sozietät VOIGT SALUS ist bereits in mehr als 4.500 Restrukturierungs- und Sanierungsverfahren als Berater, Eigenverwalter, Sachwalter und Insolvenzverwalter tätig gewesen. Kanzleigründer Joachim Voigt-Salus und sein engagiertes Team verfügen über die nötige Erfahrung, um auch bei der Krise großer Unternehmen innerhalb kürzester Zeit einen Sanierungsprozess erfolgreich und nachhaltig zu gestalten.
www.voigtsalus.de