- Erfolgreiches Management-Buy-out sichert die langfristige Zukunft des St. Georgener Maschinenbauers
- Führungsteam bestehend aus vier Managern übernimmt den Geschäftsbetrieb am Standort und firmiert zukünftig unter J.G. Weisser GmbH
- Kein weiterer Arbeitsplatzabbau vorgesehen
- Intensive Restrukturierungsphase erfolgreich abgeschlossen
St. Georgen / Stuttgart, 09. Juli 2026. Das traditionsreiche Maschinenbauunternehmen J.G. Weisser Söhne GmbH & Co. KG hat den entscheidenden Durchbruch erzielt und ist endgültig gerettet. Die vertragliche Vereinbarung über eine umfassende Fortführungslösung wurde mittlerweile notariell beurkundet. Im Rahmen eines sogenannten Management-Buy-outs (MBO) übernimmt ein Konsortium aus vier langjährigen Führungskräften des Unternehmens die Verantwortung und führt den Betrieb in eine stabile Zukunft.
Die übernehmenden Manager haben in den vergangenen Wochen ein tragfähiges, zukunftsorientiertes Fortführungskonzept erarbeitet, das auch von den wesentlichen Kunden vollumfänglich unterstützt wird. Ein besonders erfreulicher Aspekt dieser Sanierungslösung ist, dass auf der Basis des neuen Geschäftskonzepts kein zusätzlicher Arbeitsplatzabbau erforderlich sein wird. Die 156 Arbeitsplätze der Belegschaft am Standort St. Georgen sind damit langfristig gesichert. Dem Unternehmen liegen zudem eine Reihe von substanziellen und weiterführenden Aufträgen vor. J.G. Weisser startet somit mit einer soliden wirtschaftlichen Basis und hoher Planungssicherheit in das neue Zeitalter der Eigenständigkeit.
Große Erleichterung und Dank an das gesamte Team
Die Generalbevollmächtigten des Unternehmens, Markus Fauser und Tobias Wahl von Anchor Rechtsanwälte, die den komplexen Sanierungs- und Restrukturierungsprozess gemeinsam mit David Blum, ebenfalls Anchor, seit der Antragstellung intensiv begleitet und gesteuert haben, zeigten sich über den Ausgang der Verhandlungen hochzufrieden. „Es herrscht eine enorme und absolut berechtigte Freude im gesamten Team, dass nun nach einer so langen und intensiven Phase der Ungewissheit eine tragfähige und nachhaltige Lösung für J.G. Weisser Söhne gefunden werden konnte“, erklärt der Generalbevollmächtigte Markus Fauser von Anchor Rechtsanwälte.
„Die geordnete Fortführung des Geschäftsbetriebes unter Insolvenzbedingungen ging nun über einen Zeitraum von insgesamt 21 Monaten. In dieser außergewöhnlich langen und anspruchsvollen Zeit hielten viele Kunden dem Unternehmen unentwegt die Treue – ebenso wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die trotz aller Belastungen jeden Tag vollen Einsatz gezeigt haben. Nur durch eine ganz besondere und geschlossene Teamleistung aller Akteure war dieses hervorragende Ergebnis überhaupt erst möglich. Mein großer und ausdrücklicher Dank gilt daher allen Beteiligten: an die Mitarbeiter, an die Kunden, an die Lieferanten und natürlich an die Gläubiger, die den Weg konstruktiv mitgetragen haben. Wir haben hier ein hervorragendes Ergebnis unter schwersten Rahmenbedingungen und in einem sehr volatilen Marktumfeld erzielt, weil wir zu keinem Zeitpunkt den Glauben an die Sanierungsfähigkeit dieses großartigen Betriebs verloren haben“, betont Fauser abschließend.
Traditionsunternehmen mit tiefen Wurzeln im Schwarzwald
Die J.G. Weisser Söhne GmbH & Co. KG verfügt über eine beeindruckende Geschichte, die tief in der Region verwurzelt ist und bis in das Jahr 1830 zurückreicht. Im Jahr 1856 folgte die offizielle Gründung der Maschinenfabrik J.G. Weisser Söhne in St. Georgen, womit die fabrikmäßige und serienmäßige Herstellung von Maschinen und Werkzeugen ihren Anfang nahm. Über die folgenden Jahrzehnte und Generationen hinweg entwickelte das Unternehmen eine international anerkannte Spitzenkompetenz in der Entwicklung und dem Bau von hochpräzisen, multifunktionalen Drehbearbeitungszentren sowie hochkomplexen Automatisierungslösungen. Zu den wichtigsten Kunden des Maschinenbauers zählen weltweit führende Unternehmen der Automobilindustrie, insbesondere renommierte Original Equipment Manufacturers (OEMs), sowie namhafte Akteure aus den Branchen Luftfahrt, Schifffahrt, der Energiewirtschaft, der Rüstungsindustrie (Defence) sowie der anspruchsvollen Medizintechnik. Vor dem Hintergrund globaler Krisen geriet das technologisch führende Unternehmen jedoch in schweres Fahrwasser. In der Corona-Pandemie litt J.G. Weisser Söhne massiv unter weltweiten Lieferkettenproblemen und drastischen Materialkostenerhöhungen. Als die Muttergesellschaft Hardinge im Sommer 2024 in den USA selbst einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 stellen musste, entfiel die finanzielle Absicherung für den deutschen Standort abrupt, was im September 2024 den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung unumgänglich machte.
Ein anspruchsvoller Sanierungsweg mit harten Einschnitten
Der darauffolgende Restrukturierungsprozess gestaltete sich als außerordentlich komplex und forderte allen Beteiligten erhebliche Anstrengungen ab. So gelang es dem Sanierungsteam unter der Führung von Anchor und dem Management vor Ort, Herrn Ansgar Lienert als Interim Manager und CRO des Unternehmens, das Vertrauen der Hauptkunden zu stabilisieren. Durch die gezielte Platzierung von wichtigen Neumaschinenaufträgen in der Insolvenz konnte die Auslastung der Produktion über viele Monate hinweg gesichert und der Betrieb stabil gehalten werden. Parallel zu dem strukturierten und weltweiten Investorenprozess erarbeiteten die Verantwortlichen stets auch alternative Fortführungsszenarien, was letztlich den Boden für das nun erfolgreich umgesetzte Management-Buy-out bereitete.
Zuversichtlicher Blick in die Zukunft
Das neue Eigentümer- und Geschäftsführer-Konsortium sieht eine hervorragende Ausgangslage für einen Neustart außerhalb des gerichtlichen Rahmens. „Der wirtschaftliche Kern von J.G. Weisser und das immense technologische Know-how in unseren Köpfen sind auf den internationalen Märkten nach wie vor stark gefragt – das ist eine exzellente Basis für die kommenden Jahre“, erklärt die Käuferseite im Namen von Ansgar Lienert. „Wir wollen das Unternehmen nun gezielt weiterentwickeln, unsere Innovationskraft im Bereich der Automatisierung stärken und ein verlässlicher Partner für unsere weltweite Kundschaft bleiben. Besonders stolz macht uns, dass wir das gesamte verbliebene Team geschlossen hinter uns haben und gemeinsam in dieses neue Kapitel gehen können.“
Erfolgreicher Abschluss dank Teamwork
Auch der gerichtlich bestellte Sachwalter, Rechtsanwalt Marc-Philippe Hornung von der Rechtsanwaltsgesellschaft SZA Schilling Zutt & Anschütz, welcher das Verfahren über die gesamte Distanz im Interesse der Gläubiger eng begleitet und überwacht hat, äußert sich erleichtert: „Ich bin überaus froh, dass am Ende dieses anspruchsvollen Prozesses ein so positives Ergebnis erreicht werden konnte, denn das war wahrlich kein leichter Weg für alle Beteiligten. Mein tiefer Dank gilt ebenfalls der Belegschaft, den Kunden und den Partnern für die Geduld und die stets konstruktive Zusammenarbeit im Sinne einer gemeinschaftlichen Sanierung.“ Unterstützt wurde Sachwalter Marc-Philippe Hornung von der SZA-Insolvenzrechtsexpertin Katja Schmitt.
Erfahrenes Beraterteam
Begleitet wurde die komplexe Transaktion von einem erfahrenen Beraterteam: Die rechtliche Begleitung sowie die Transaktionsberatung lag federführend in den Händen von Dr. Hendrik Boss (Partner) mit seinem Team Julia Siedhoff und Christian Benko, der Kanzlei Taylor Wessing. Für die betriebswirtschaftliche Beratung zeichnete Lars Steinhagen (Partner) mit dem Expertenteam der allea consult verantwortlich. Die internationale Unternehmensberatung Roland Berger unterstützte den Prozess im Rahmen des M&A-Prozesses unter der Führung von Christoph Burckhart (Partner) und Philipp Broscheid (Project Manager).
Team Anchor Rechtsanwälte:
Markus Fauser
Tobias Wahl
David Blum
Über Anchor
Anchor ist ein Hybrid aus Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung. Mit 15 Standorten und über 200 Mitarbeitenden in den Bereichen Insolvenz und Sanierung gehört die Kanzlei deutschlandweit zu den großen Restrukturierungseinheiten. Anchor hat zahlreiche größere Unternehmen in und außerhalb der Insolvenz begleitet und saniert. Die Rechtsanwälte von Anchor werden regelmäßig als Insolvenzverwalter, Sachwalter oder als Sanierungsgeschäftsführer in Insolvenz-, Eigenverwaltungs- und Schutzschirmverfahren vorgeschlagen und bestellt. Anchor Management ist für seine betriebswirtschaftliche Restrukturierungsberatung, sein Interim Management und die Distressed M&A-Beratung bekannt. In Beratungsmandaten verbindet Anchor rechtliche Kompetenz mit betriebswirtschaftlichem Know-how.
Über SZA Schilling, Zutt & Anschütz Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
SZA Schilling, Zutt & Anschütz ist seit mehr als einem Jahrhundert eine der angesehensten deutschen Wirtschaftssozietäten. Mit ihren Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten sowie Büros in Frankfurt, Mannheim, München und Brüssel berät die Sozietät nationale und internationale Mandanten zu komplexen wirtschaftsrechtlichen Fragestellungen.
Über J.G. Weisser Söhne
Die WEISSER Gruppe mit Sitz in St. Georgen ist Spezialist für Drehbearbeitungszentren und ist führend bei der Neuentwicklung von Bearbeitungsmethoden. Aus der jahrelangen Entwicklungsarbeit sind mehrere Patente und Maschinenkonzepte entstanden, die die Bearbeitungswelt revolutioniert. Die Lösungen sind immer individuell auf den Kunden abgestimmt und höchst automatisiert. Die Gruppe ist mit Vertriebs- und Serviceniederlassungen sowie Handelsvertretungen weltweit präsent. Darüber hinaus entwickeln WEISSER innovative Laseranlagen. Die größten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie sowie die Branchen Luftfahrt, Schifffahrt, Energiewirtschaft und Rüstungsindustrie (Defence).
Über Roland Berger
Roland Berger ist die einzige führende Strategieberatung mit europäischen Wurzeln. Das Unternehmen vereint tiefe Industrie- und Branchenkenntnis mit umfassender Erfahrung in zentralen Managementfunktionen und Transformationsprojekten. 1967 gegründet und mit Hauptsitz in München, unterstützt Roland Berger Unternehmen weltweit bei der Gestaltung und Umsetzung komplexer Transformationen – von strategischer Neuausrichtung über Performance-Steigerung bis hin zur Entwicklung und Anwendung datenbasierter, KI-gestützter Lösungen. Roland Berger hat es sich zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit in allen Projekten zu verankern. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro.
Über allea consult
Die Experten von allea unterstützen seit vielen Jahren Unternehmen in insolvenznahen Situationen sowie in Regelinsolvenzen und Verfahren nach § 270 InsO in betriebswirtschaftlichen Themen, in Sanierungsfragen und in M&A-Projekten. In fortlaufend mehr als 50 Betriebsfortführungen stellt das knapp 40-köpfige Team sein fachliches Know-how unter Beweis – über eine Vielzahl von Branchen hinweg und in ganz Süddeutschland. Lars Steinhagen, als verantwortlicher Partner, wurde in den 21 Monaten des Projekts insbesondere durch Justin Weiland, Jens Forker, Elena Iwaschkin sowie Andreas Hummel unterstützt.
Über Taylor Wessing
Die internationale Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing steht für exzellente Rechtsberatung – tiefgründig, umfassend und zugleich präzise auf den Punkt. Mit dem Leitgedanken „Challenge expectation, together“ verpflichtet sich Taylor Wessing, das Erwartbare zu hinterfragen und über das Naheliegende hinauszudenken. So entstehen gemeinsam mit den Mandantinnen und Mandanten Lösungen, die nachhaltig Mehrwert schaffen. Dieser Anspruch macht Taylor Wessing insbesondere in den Bereichen stark, in denen die Meilensteine der Digitalisierung gesetzt werden: Technology, Life Sciences & Healthcare, Real Estate, Infrastructure & Energy, Private Equity sowie Private Wealth. So begleitet Taylor Wessing seine Mandantinnen und Mandanten dabei, ihre Geschäftsentwicklung mit den Potenzialen der Technologien von morgen aktiv zu gestalten.