Jahreskongress Insolvenzrecht: Steigende Insolvenzzahlen erhöhen den Handlungsdruck

Potsdam, 8. Juni 2026 – Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter an. Laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erreichten die Firmenpleiten im ersten Quartal 2026 den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Damit wachsen auch die Anforderungen an Restrukturierungsberater, Insolvenzverwalter und Finanzierer.

„Umso wichtiger ist der Austausch zwischen Rechtsprechung, Wissenschaft und Praxis. Die rund 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Kongresses sprechen für die hohe Relevanz des Themas“, sagte Christian Graf Brockdorff, Partner der Restrukturierungskanzlei BBL Brockdorff, zur Eröffnung des 27. Jahreskongresses Insolvenzrecht am 4. Juni 2026 in Potsdam.

Im Rahmen des BankersCampus-Kongresses diskutierten renommierte Referentinnen und Referenten aus Praxis und Rechtsprechung aktuelle Entwicklungen des Insolvenzrechts. Die Themen reichten von neuen Entscheidungen des Bundesgerichtshofs über branchenspezifische Restrukturierungsfälle bis hin zu den Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz in Insolvenzverfahren.

Branchenspezifische Herausforderungen nehmen zu

Neben allgemeinen insolvenzrechtlichen Fragestellungen standen auch branchenspezifische Herausforderungen im Fokus. So wurden die Risiken von Single-Source-Lieferanten in der Automobilindustrie ebenso beleuchtet wie die Besonderheiten bei Insolvenzen von Reiseveranstaltern.

Anhand der Insolvenz von FTI Touristik zeigte Axel W. Bierbach (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) typische Herausforderungen des Touristikgeschäfts auf. Dazu zählen unter anderem Erstattungsansprüche von Reisenden bei Pauschalreisen sowie besondere Anforderungen an die Verfahrensabwicklung.

Die Situation von Start-ups analysierte Burkhard Jung (Deloitte). Junge Unternehmen seien häufig auf mehrere Finanzierungsrunden angewiesen, deren Erfolg oftmals bis zuletzt ungewiss bleibe. Dies könne erhebliche Risiken für die Unternehmensleitung mit sich bringen. Nach Angaben von Jung gelingt lediglich etwa 10 bis 20 Prozent der Start-ups eine dauerhafte wirtschaftliche Etablierung.

Digitalisierung verändert die Insolvenzpraxis

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war die Digitalisierung insolvenzrechtlicher Verfahren. André Binder und Jonas Karioui von BBL Brockdorff zeigten auf, wie digitale Dokumenten- und Workflow-Systeme die Bearbeitung komplexer Verfahren in den vergangenen Jahren grundlegend verändert haben.

Künstliche Intelligenz unterstütze bereits heute bei der Analyse umfangreicher Dokumentenbestände, der Recherche sowie der Aufbereitung großer Datenmengen. Entscheidend sei jedoch nicht allein die Technologie, sondern deren strukturierter und praxisorientierter Einsatz im Verfahrensalltag.

Der Kongress machte deutlich, dass die Weiterentwicklung der Insolvenzpraxis vor allem vom Zusammenspiel fachlicher Expertise, effizienter Prozesse und moderner Technologien abhängt.

Über den Jahreskongress Insolvenzrecht / BankersCampus

Der BankersCampus-Kongress bietet seit vielen Jahren ein Forum für den fachlichen Austausch zu aktuellen Entwicklungen im Insolvenz- und Restrukturierungsrecht. Die Veranstaltung wird vom Ostdeutschen Sparkassenverband in Kooperation mit der BBL Brockdorff Rechtsanwaltsgesellschaft mbH ausgerichtet.

Über BBL Brockdorff

BBL Brockdorff zählt zu den führenden deutschen Kanzleien für Restrukturierung, Sanierung und Insolvenz. Mehr als 200 Mitarbeitende, darunter rund 50 Anwältinnen und Anwälte, betreuen Mandanten an mehreren Standorten in Deutschland sowie in London.