- Amtsgericht Neumünster bestellt Jennie Best zur vorläufigen Insolvenzverwalterin
- Produktionsbetrieb ruht seit 10. Juni 2026
- Die Insolvenzgeldvorfinanzierung für den Monat Juni 2026 ist eingeleitet.
Hamburg/Neumünster, 3. September 2026 / Das Amtsgericht Neumünster hat am 28. August 2026 ein Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der NordAlu GmbH eingeleitet und die Sanierungsspezialistin Jennie Best von der Kanzlei REIMER zur vorläufigen Insolvenzverwalterin bestellt. Das Verfahren geht auf die Anträge mehrerer NordAlu-Mitarbeiter zurück.
Die ursprünglich bereits 1899 als Handwerksbetrieb gegründete NordAlu GmbH ist spezialisiert auf die Herstellung und Bearbeitung von Aluminiumprofilen. Schwerpunkt sind präzisionsgefertigte Extrusions- und Bearbeitungslösungen, von der Aluminiumextrusion über die CNC-Bearbeitungen bis hin zur kundenspezifischen Oberflächenveredelung. Das Produktportfolio umfasst unter anderem Aluminiumkomponenten für Duschkabinen, Sport- und Fitnessgeräte, Präzisionsaluminium für medizinische Geräte, Trägerstrukturen für Solarsysteme sowie maßgefertigte Aluminiumprofile für Maschinenwerkzeuge.
Der Produktionsbetrieb ruht bereits seit dem 10. Juni 2026. Aufgrund der Einstellung der Energieversorgung und der fehlenden Belieferung mit Rohmaterial konnte die Produktion nicht aufrechterhalten werden. Der Großteil der Mitarbeiter hat zudem seit Juni 2026 keine Vergütung mehr erhalten.
Jennie Best verschafft sich derzeit mit einem Team aus der Kanzlei einen Überblick über die wirtschaftliche und rechtliche Lage des Unternehmens und die Vorgänge der vergangenen Monate. Dazu prüft sie Auftragslage, Kundenbeziehungen, Energie- und Materialversorgung sowie die Liquidität und lotet auf dieser Grundlage die Sanierungs- und Fortführungsoptionen aus.
„Wir wurden in diesem Verfahren mit einer ungewöhnlich herausfordernden Situation konfrontiert, in der es nicht nur an Liquidität mangelt, sondern auch an Personal, Material und ausreichendem Versicherungsschutz“, sagt Jennie Best. Unter diesen Voraussetzungen ist ein kurzfristiger Wiederanlauf der Produktion voraussichtlich nicht möglich.
Ein zentrales Thema ist die Insolvenzgeldvorfinanzierung für die offenen Löhne und Gehälter der vergangenen Monate. Bei den meisten der rund 105 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind die Gehälter seit Juni 2026 offen. Best steht mit Mitgliedern des Betriebsrats, der IG Metall und der Agentur für Arbeit im engen Austausch. „Die Belegschaft befindet sich aktuell in einer außerordentlich belastenden Situation, da sie nicht nur seit Monaten kein Geld mehr erhalten hat, sondern auch die berufliche Zukunft ungewiss ist. Alle Beteiligten sind sehr bemüht, eine kurzfristige erste Auszahlung an die Mitarbeiter im Rahmen der Insolvenzgeldvorfinanzierung zu ermöglichen“, sagt Best.
Trotz der besonderen Herausforderungen soll nichts unversucht bleiben, eine Perspektive für das Unternehmen zu finden. Dazu werden in den kommenden Tagen diverse Unternehmen kontaktiert, um ein eventuelles Interesse an einer Übernahme zu eruieren. Möglicherweise ergibt sich zumindest für einen Teil des Unternehmens eine Fortführungschance.
Über REIMER
REIMER ist eine auf Sanierungs- und Restrukturierungsberatung sowie Insolvenzverwaltung spezialisierte Kanzlei mit mehr als 130 Experten. Die Partnergesellschaft zählt mit 13 Insolvenzverwaltern an 10 Standorten zu den größten und versiertesten deutschen Rechtsanwaltskanzleien für die Sanierung von Unternehmen und Insolvenzverwaltung (www.reimer-rae.de).