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Regio Schlachthof nutzt Eigenverwaltungsverfahren für Neuausrichtung

Mannheim, den 05.05.2021

Der Betreiber des Schlachthofs Mannheim hat ein Eigenverwaltungsverfahren zur Krisenbewältigung
und Neuausrichtung beantragt. Die Antragstellung ist erfolgt, da dem Unternehmen die
Zahlungsunfähigkeit drohte. In dem Verfahren wird die Geschäftsleitung durch den erfahrenden
Mannheimer Sanierungsspezialisten und Rechtsanwalt Martin Wiedemann von der Kanzlei Ernestus
Rechtsanwälte unterstützt, welcher das Unternehmen als Generalbevollmächtigter vertritt.
Rechtsanwalt Thomas Oberle (Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz) wurde vom Amtsgericht
Mannheim zum vorläufigen Sachwalter bestellt, um das Verfahren zu überwachen.

Die Geschäftsleitung hat die Möglichkeit einer frühzeitigen Antragstellung genutzt, um die Chancen
für die Sanierung bestmöglich zu erhalten. Das Eigenverwaltungsverfahren bietet dem Unternehmen
einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den
Gläubigern neu aufzustellen. Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die
unternehmerische Verantwortung in den Händen der durch den Generalbevollmächtigen
unterstützten Geschäftsführung, welche die Sanierung selbst steuert. In der Eigenverwaltung setzt das
zuständige Amtsgericht keinen Insolvenzverwalter, sondern einen sogenannten Sachwalter ein. Dieser
überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger.

Ziel des eingeleiteten Eigenverwaltungsverfahrens ist die Überwindung der gegenwärtigen Krisenlage.
Durch einen Auftragseinbruch aufgrund der Pandemie-bedingten Schließung der Absatzmärkte und
hohe Kosten geriet die Regio Schlachthof GmbH in eine Schieflage. Durch das
Eigenverwaltungsverfahren besteht die Möglichkeit, einen Sanierungsinsolvenzplan vorzulegen. Ein
solcher Plan soll in den kommenden Wochen durch den Generalbevollmächtigen Martin Wiedemann
unter Mitwirkung der Geschäftsleitung und des vorläufigen Sachwalters erarbeitet werden. Parallel
werden die Verhandlungen mit den Hauptgläubigern fortgesetzt, um die bestmöglichen Chancen für
einen Erhalt des Unternehmens, der Arbeitsplätze und der Gläubigerrechte zu gewährleisten. Die
Fortführung des Geschäftsbetriebes ist während dieser Zeit gesichert.


Regio Schlachthof GmbH beschäftigt 27 Mitarbeiter und betreibt einen bedeutenden Schlachthof für
die Region. Sie wurde im Jahre 2017 auf Initiative privater Unternehmer aus der Region gegründet.
Grundidee der privaten Initiative war die Weiterführung der 125-jährigen Schlachttradition in der
Region, die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft und der Gedanke, auch jungen
Hofnachfolgern eine Zukunftsperspektive zu eröffnen. Dafür sollte den landwirtschaftlichen
Fleischerzeugern der Pfalz, Südhessens und Baden ein Schlachtbetrieb zur Verfügung stehen, der ihren
Bedürfnissen nach kurzen Transportwegen und damit nach Frische und Qualität gerecht wird. Es sollte
aber auch eine Lücke in der Versorgung der Region mit heimisch erzeugtem Schweinefleisch
geschlossen werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Region Rhein-Neckar über keinen
weiteren Schlachthof verfügt.


„Wir bedauern sehr, diesen schweren Schritt gehen zu müssen. Wir waren mit unserem
Leistungsspektrum erfolgreich unterwegs, aber wir sehen heute bessere Chancen für eine Sanierung
als zuzuwarten“, erklärt Geschäftsführer Michael Hocker.
„Der allgemeine Preisdruck und die Belastungen aus hohen laufenden Kosten setzten der Regio
Schlachthof GmbH zu. Corona hat sicherlich einen Anteil, ist aber nicht alleinige Ursache für die
eingetretene Situation. Der Schlachthof hat eine hohe Bedeutung für die Region und bei der
Umsetzung des allgemeinen Wunsches nach Regionalität und Qualität. Ich sehe daher auch eine
Daseinsberechtigung für das Unternehmen und halte es für realistisch, die Regio Schlachthof durch
einen Insolvenzplan zu sanieren“, betont der Generalbevollmächtigte Martin Wiedemann. Hierzu
bedürfe es nun eines konstruktiven Zusammenwirkens der wesentlichen Beteiligten, so Wiedemann.
„Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind für drei Monate durch das Insolvenzgeld gesichert. Die
Bundesagentur für Arbeit hat unserem Antrag zugestimmt. Dies gibt uns den notwendigen zeitlichen
Spielraum, um die Sanierungspläne erfolgreich umzusetzen“, erklärt Wiedemann.