Sozialplan und Interessenausgleich für NEAPCO Deutschland vereinbart

Produktion am Standort an der Dürener Henry-Ford-Straße wird bis Sommer 2026 aufgegeben

Insgesamt können über 300 Mitarbeitende in eine Transfergesellschaft wechseln

Neapco Europe GmbH wird mit 41 Beschäftigten an neuem Standort fortgeführt

Düren / Aachen, 6. Januar 2026

Die eigenverwaltende Geschäftsführung und der Betriebsrat der Neapco Europe GmbH haben die Belegschaft im Rahmen einer Belegschaftsversammlung über die vereinbarten Leistungen des Insolvenzsozialplans und die Regelungen des Interessenausgleichs informiert. Diese waren geboten, nachdem die Suche nach Investoren für den Produktionsstandort für Antriebswellen und Differenziale ergebnislos verlaufen war.

„Die Neapco Europe GmbH wird mit 41 Beschäftigten an einem neuen Standort fortgeführt werden“, erklärt Geschäftsführer Frank Lamberty. „Die Produktion an der Dürener Henry-Ford-Straße müssen wir jedoch bis Ende Juni 2026 schrittweise herunterfahren. Der Produktions-Standort wird bis Ende des dritten Quartals 2026 aufgegeben“.

Gesondert von dem Insolvenzsozialplan können Mitarbeitende Abfindungszahlungen, die die US-amerikanische Muttergesellschaft über einen Treuhänder bereitstellt, für den Verlust ihrer Arbeitsplätze erhalten.

80 Prozent der Mitarbeitenden erhalten das Angebot, für eine Laufzeit von jeweils 12 Monaten bei 73 Prozent des letzten Nettolohns oder -gehalts in eine Transfergesellschaft zu wechseln: „Die Transfergesellschaft unterstützt die dauerhaft beschäftigten Mitarbeitenden professionell dabei, sich weiter zu qualifizieren und beruflich neu zu orientieren“, erläutert Co-Geschäftsführer Dr. Jürgen Liermann.

Für ältere Versicherte stehen andere Optionen der Deutsche Rentenversicherung zur Verfügung. Jüngere Mitarbeitende mit kurzer Betriebszugehörigkeit haben in der Regel deutlich bessere Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Auszubildenden können ihre Ausbildung noch bei Neapco beenden oder werden – unterstützt von der Industrie- und Handelskammer Aachen –  an andere Ausbildungsbetriebe vermittelt.

„Ernüchternd war, dass selbst die Transformations-Expertise von Neapco in Düren bei E-Leichttransportern ausgesprochen geringe Resonanz im Markt gefunden hat. Alle Beteiligten haben sich im Rahmen der Verhandlungen bemüht, den unverzichtbaren Personalabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, fasst der Generalbevollmächtigte Dr. Frank Kebekus den Verlauf des Investorenprozesses zusammen.

„Das Ergebnis der Betriebsschließung ist für die Belegschaft, die trotz der schwierigen Situation seit Verfahrensbeginn den Produktionsprozess uneingeschränkt aufrechterhalten hat, sehr bedauerlich. Leider war der Schritt aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unvermeidbar. Wenn in diesem Sommer die Produktion eingestellt werden muss, dann bleibt anschließend noch die Aufgabe, die Anlagen zu verkaufen, den Produktionsstandort zu räumen und die Neapco Europe GmbH an einen neuen Standort umzuziehen“, beschreibt der vom Gericht bestellte Sachwalter im Eigenverwaltungsverfahren, Dr. Claus-Peter Kruth, die weiteren Verpflichtungen im Laufe des Jahres.

Im Juni 2025 hatte die US-amerikanische Muttergesellschaft sich dafür entschieden, den erstmals im Jahr 2020 geschlossenen Vertrag mit NEAPCO Deutschland zur Auftragsfertigung bis Ende 2025 nicht für weitere fünf Jahre zu verlängern. Daraufhin hatte die Geschäftsführung ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt, das zum 1. September 2025 durch das Amtsgericht Aachen eröffnet wurde.

Zu NEAPCO Deutschland

Die NEAPCO Europe GmbH (NEAPCO Deutschland) ist ein etablierter Automobilzulieferer mit einer langen Geschichte in Düren, die bis ins Jahr 1968 zurückreicht. Das Unternehmen produziert wichtige Automobilkomponenten wie Kardanwellen, Halbwellen, Druckgusserzeugnisse und Differentiale für weltweit führende Automobilhersteller. Darüber hinaus spielte das Unternehmen eine wichtige Rolle als Auftragsfertiger für elektrische Zustellerfahrzeuge, ehemals StreetScooter, in Zusammenarbeit mit e.Volution (und zuvor B-ON).