Editorial | INDat Report 01_2023 | Februar 2023

Zahlen, die fast für sich sprechen

Wenn es allein nach der EU-Kommission geht, die im Richtlinienvorschlag zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Insolvenzrechts ein grundsätzlich verwalterloses KKMU-Verfahren vorsieht, würde die Insolvenzstatistik in einigen Jahren deutlich weniger bestellte Verwalter anführen, dafür aber viel mehr eröffnete Verfahren. Strittig ist allerdings, ob es sich bei den verwalterlosen Eröffnungen größtenteils um bislang mangels Masse abgewiesene Verfahren handeln wird (so der Gedanke der EU-Kommission) oder ob in großen Teilen bis jetzt mit Verwaltern ausgestattete Verfahren von KKMUs (bis zehn Mitarbeiter und 2 Mio. Euro Umsatz nach bisheriger EU-Defini­tion) verwalterlos das Liquidationsverfahren durchlaufen werden (Befürchtung der Verwalter). Aber so weit ist es noch nicht, denn Lobbyisten werden sowohl über das federführende BMJ bei den Ratsverhandlungen als auch auf die entscheidenden MdEP und deren beratende Gremien im EU-Gesetzgebungsprozess bis zum Trilog konzentriert einwirken. Vom Blick in die Zukunft zurück in die jüngste Vergangenheit zu einem aufschlussreichen Marktüberblick: Im Jahr 2022 kamen für alle IN- und IK-Verfahren 2079 Verwalter und 1107 Verwalterkanzleien zum Einsatz. Differenziert nach Verwaltern, die eröffnete Verfahren über jur. Personen erhalten haben, sind es 1223 Verwalter bzw. 597 damit befasste Kanzleien. Würde man den viel zitierten „Kuchen“ heranziehen, entfielen auf jeden Verwalter rd. fünf Verfahren über jur. Personen. Die Top-300-­Statistik wiederum zeigt, dass es rein zahlenmäßig natürlich ganz anders aussieht, denn die drei meistbestellten Verwalter haben 59/48/45 Fälle bekommen. Einzelheiten zur Marktentwicklung von 2017–2022 finden Sie auf Seite 11.

Und was macht das StaRUG im zweiten Jahr? Viel hat sich bei den Anwendungsfällen nicht getan, wie die Befragung der 24 Restrukturierungsgerichte ergeben hat (siehe Seite 14). Wenn aber weiterhin hauptsächlich die aufgebaute Drohkulisse ohne Anzeige des Vorhabens bzw. ohne finale Planbestätigung wirkt, wie Praktiker berichten, dann sprechen diese Zahlen nur unter Vorbehalt für sich.

Peter Reuter, Chefredakteur