Editorial | INDat Report 08_2026 | September 2026
Chance für Kompromiss verbaut
Schon bald gehen die Stellungnahmen zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Schaffung eines Rechtsrahmens für die Tätigkeit insolvenzrechtlicher Amtsträger beim BMJV ein. Auch die Bundesrechtsanwaltskammer bzw. ihre regionalen Kammern werden sich zu dem Vorhaben äußern, das sich komplett anders gestaltet, als die Institutionen es sich vorgestellt haben. Ihr Wunsch war bekanntermaßen, dass sich die Verwalterschaft in die bestehende anwaltliche Selbstverwaltung und Berufsaufsicht integrieren lasse.
Erste Stellungnahmen z. B. der RAK München vom 11.09.2026 und der RAK Düsseldorf vom 17.09.2026 lassen in ihrer Kritik an einer unnötigen Parallelstruktur erkennen, dass man weiterhin auf dem bisherigen Standpunkt besteht. »Die Rechtsanwaltskammer München hält es … für sinnvoller, den Rechtsanwaltskammern als zusätzliche Aufgabe auch die Aufsicht über die Insolvenzverwalter zuzuweisen. Die Regelungen, die im InsAG-E vorgesehen sind, laufen weitestgehend parallel zu den existierenden Regelungen in der BRAO. Es erscheint daher effizienter und sachdienlicher, die BRAO um die noch fehlende Aufgabe zu erweitern, als eine gänzlich neue Kammerinfrastruktur zu schaffen.« Anders formuliert, aber im Tenor identisch äußert sich die RAK Düsseldorf.
Einen Kompromissvorschlag, der eine Integration in die BRAK und den Wunsch nach einer eigenständigen Verwalterkammer vorsah, machte Marie Luise Graf-Schlicker im Jahr 2019, kurz nachdem sie als Abteilungsleiterin aus dem BMJV ausgeschieden war (siehe INDat Report 02_2019, S. 28 ff.). Sie brachte eine neue 29. Kammer unter dem Dach der BRAK ins Spiel, der auch Nichtanwälte angehören dürften. Die Mitglieder dieser Verwalterkammer könnten in ein Verzeichnis gemäß § 31 BRAO aufgenommen werden und es könnte eine Berufsordnung gemäß § 59b BRAO entstehen.
Heute mehren sich die Stimmen, die bedauern, dass die BRAK diesen pragmatischen Weg zur Kompromissfindung nicht eingeschlagen hat – oder anders formuliert: die der BRAK vorhalten, diesen Weg beharrlich verbaut zu haben.
Peter Reuter, Chefredakteur