Editorial | INDat Report 04_2022 | Mai 2022

Diverser mit Zimmerpflanzen?

Ein Unternehmen beklagte sich beim Berater, es gewinne keine Frauen beim Nachwuchs. Dieser fand schnell eine Erklärung dafür: Schaut euch doch einmal in eurem Besprechungsraum um:

Alles in Braun, keine Zimmerpflanzen, unordentlich hingestellte Stühle, leere Kartons und sogar eine Bierkiste. Wie wollt ihr so diverser werden? Über dieses Erklärungsmuster berichtete der anwaltliche Berater selbst. Nicht etwa im kleinen Kreis, sondern jüngst auf der Bühne der Handelsblatt Jahrestagung Restrukturierung. Die Reaktionen einiger Teilnehmerinnen fielen süffisant aus: Eine konterte auf dem Podium, dass sie gegen eine Bierkiste keine Einwände habe. Und eine andere ergänzte, dass die Farbe Braun zwar nicht die schönste sei, sie sich aber mit dem Ton ganz gut arrangieren könne. Der Herausforderung, diverser zu werden, müssen sich alle Branchen stellen – auch die der Restrukturierer. Daher hat das sog. Familientreffen der Restrukturierer ebenfalls einen Nachholbedarf, denn unter den 360 Teilnehmern lag die Frauenquote bei 18 %. Diese Quote ist aber deutlich besser als die einer renommierten Verwalterkanzlei mit Wurzeln bis ins Jahr 1899. Die abgebildete Partnerriege zeigt ein Gruppenbild, 21 Männer und eine Frau. Sogar dieses Verhältnis kann der Gravenbrucher Kreis nicht bieten, denn alle 30 Mitglieder sind männlich.

Die Berater sind auf dem Weg zu mehr Diversität bekanntermaßen den Verwaltern ein paar Schritte voraus, wie auch die Präsenz bei TMA NextGen zeigt. Vier von ihnen stellen wir im Titel vor, in dem die jungen Expertinnen u. a. berichten, was ihnen in der Arbeitswelt wichtig ist. Von Raumfarben und Zimmerpflanzen ist allerdings nicht die Rede.

Peter Reuter, Chefredakteur