Editorial | INDat Report 06_2026 | Juli 2026
Stabile Verhältnisse
Statistiken bringen immer wieder neue Erkenntnisse, auch wenn sich über die Jahre statistisch gar nicht so viel verändert, was wiederum auch eine interessante Einsicht sein kann. Vor einem Jahr haben wir aus der Halbjahresstatistik 2025 verschiedene Rankings zur Bestellung von Insolvenzverwalterinnen durchleuchtet. Es war keine große Überraschung, dass unter den Top 300 der mit Personen- und Kapitalgesellschaften betrauten Verwalter nur 29 Insolvenzverwalterinnen vertreten waren, also rd. 10 %. Ein Jahr später kommt die Auswertung zum exakt selben Ergebnis. Eine Veränderung ist dahin gehend auszumachen, dass in diesem Jahr vier Frauen unter den Top 30 der meistbestellten Verwalter präsent sind, während es im betrachteten Zeitraum des vergangenen Jahres nur zwei Frauen waren.
Um eine Größenordnung für die Unternehmensinsolvenzen heranzuziehen, helfen die zuletzt bekannt gemachten Umsätze der später insolventen Unternehmen. Fand sich unter den Top 30 dieser Analyse im vergangenen Jahr nur eine Verwalterin, sind es im aktuellen Betrachtungszeitraum immerhin drei Verwalterinnen, wobei eine Frau dieses Ranking sogar anführt. Überraschend ist es nicht, dass unter den 50 meistbestellten Verwaltern bei (i. d. R. massearmen) IK-Verfahren zumindest 18 Verwalterinnen vertreten sind. Ein Blick auf einzelne Bundesländer ergibt wiederum ein recht bescheidenes Bild: In Bayern ist keine Verwalterin unter den Top 10 der meistbestellten Verwalter, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind es jeweils zwei und in Sachsen ist es eine.
Wie man die Betrachtung auch dreht und wendet: Es gibt noch viel Luft nach oben. Die Branche selbst könnte engagierter Zeichen setzen: So hat es der Gravenbrucher Kreis erst kürzlich geschafft, in seiner Historie zum zweiten Mal eine Frau aufzunehmen. Auch dem Zusammenschluss Forum 270 ist es jüngst gelungen, gleich zwei Kolleginnen erstmalig als Mitglieder zu begrüßen. Wirkliche Impulse aus diesen einflussreichen Zirkeln sähen aber anders aus.
Peter Reuter, Chefredakteur